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"Metaller" aus den Norden haben die Bauern der Jungsteinzeit verdrängt

Metaller aus den Norden haben die Bauern der Jungsteinzeit verdrängt
Die Kunst der Metallverarbeitung hat sich nicht durch Lernen ausgebreitet, sondern durch Migration und Verdrängung alteingesessener Kulturen.
Symbolbild
Ein israelisch-amerikanisches Forscherteam hat durch die Analyse von Grabbeigaben und fast zwei Dutzend DNA-Analysen herausgefunden, dass es vor etwa 6500 Jahren zu mehreren großen Migrationswellen in den östlichen Mittelmeerraum (Levante) kam.
Die Zuwanderer aus der heutigen Türkei und aus dem Gebiet des Iran haben die Epoche der Kupfersteinzeit in der Levante eingeläutet und die ursprüngliche Bevölkerung aus steinzeitlichen Bauern komplett ersetzt, so das Forscherteam. Und die Neubürger hatten nicht nur die Kunst der Metallverarbeitung im Gepäck, sondern auch neue Gene - zum Beispiel das für blaue Augen.

Neue Kulturen verbreiten sich durch Migration

Die Kupfersteinzeit (auch kurz Kupferzeit) läutete eine neue Epoche der Menschheitsgeschichte ein. Der Werkstoff Stein, der der Steinzeit ihren Namen gegeben hat, wurde zunehmend durch Waffen, Werkzeuge und landwirtschaftliche Geräte aus Kupfer ersetzt (später folgten Bronze und Eisen). Die ältesten Funde stammen aus Anatolien und sind etwa 9000 Jahre alt.
Anschließend verbreitete sich die neue Technologie in den östlichen Mittelmeerraum, nach Ägypten und Südosteuropa. Und es gibt - ähnlich wie bei der Landwirtschaft - immer wieder kontroverse Diskussionen darüber, ob sich die Kupferverarbeitung durch Migration, Weitergabe von Wissen oder durch eigenständige regionale Innovationen ausgebreitet hat.
Die neue Studie, die im Fachmagazin Nature Communications veröffentlicht wurde, scheint diese Frage nun eindeutig zu beantworten - zumindest für den östlichen Mittelmeerraum. "Wir wissen nun, dass die Antwort Migration lautet", sagt Dr. Dina Shalem vom Kinneret College in Israel.

Metallverarbeitung und blaue Augen

Die Forscher haben 22 DNA-Proben aus der Zeit vor 6500 Jahren analysiert und mit dem Erbgut älterer Populationen in der Region und mit den Genen von Menschen aus dem Gebiet der heutigen Türkei und des Iran verglichen. Und die Ergebnisse sind eindeutig.
Professor David Reich von der Universität Harvard: "Unsere genetischen Analysen haben ergeben, dass die Menschen, die während der Kupferzeit in der Levante gelebt haben, Vorfahren aus dem Norden hatten (Türkei, Iran). Diese Genvarianten haben wir bei älteren Levantinern nicht finden können."
Zu den neuen Genen, auf die Reich und seine Kollegen im Erbgut der Kupferzeit-Menschen gestoßen sind, gehört auch eine Mutation, die für die Entstehung blauer Augen verantwortlich ist. Die blauen Augen sind also mit Einwanderern aus der Türkei und aus dem Iran in den östlichen Mittelmeerraum gelangt.

Signifikante Migrationsbewegungen

Die genetischen Befunde decken sich mit der Untersuchung von Grabbeigaben aus der Pek'in Höhle im Norden Israels, die parallel zu den DNA-Analysen durchgeführt wurde. Mit Beginn der Kupferzeit tauchen dort vermehrt Grabbeigaben auf, die aus anderen Kulturkreisen stammen. Das deutet nach Ansicht der Forscher auf signifikante Migrationsbewegungen und einen Bevölkerungsaustausch hin.
Dr. Dina Shalem: "Unsere Studie beantwortet eine lange Debatte darüber, wie sich die einzigartige Kultur der Kupferzeit verbreitet hat."

Reagiert der Mensch immer so?

Ähnlich wie die Kunst der Metallverarbeitung scheint sich zuvor bereits die sesshafte Lebensweise mit Ackerbau und Viehzucht verbreitet zu haben. Die Jäger und Sammler der Steinzeit wurden nicht zu Viehzüchtern und Bauern, sondern die Bauern haben sich in die Gebiete der Jäger und Sammler ausgebreitet, was schließlich zu deren Verschwinden führte.
Vieles deutet inzwischen darauf hin, dass sich technische Innovationen und neue Lebensweisen nicht dadurch verbreiten, indem benachbarte Völker voneinander lernen, sondern dass Populationen, die diesen "Next Step" bereits getan haben, ihre technologisch unterlegenen Nachbarn verdrängen.
Ob sich daraus ein Muster ableiten lässt, zum Beispiel dass der Homo sapiens den Neandertaler verdrängt hat, weil er ihm technologisch überlegen war, muss man abwarten. Aber die Hinweise häufen sich, dass Darwin's Survival of the Fittest nicht nur im afrikanischen Urwald funktioniert hat. Wie es aussieht, entwickeln Völker, sobald sie fortschrittliche neue Technologien besitzen, über die ihre Nachbarn nicht verfügen, den unwiderstehlichen Drang, in deren Territorien vorzudringen und die ursprüngliche Bevölkerung zu ersetzen.
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