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Lucy's Baby konnte aufrecht gehen, lebte aber noch auf Bäumen

Lucy's Baby konnte aufrecht gehen, lebte aber noch auf Bäumen
Fuß und Skelett des sogenannten Dikika-Kindes aus Äthiopien. Es konnte aufrecht gehen, lebte aber noch überwiegend auf Bäumen.
Fotos: © Jeremy DeSilva, Zeray Alemseged
Australopithecus afarensis war ein aufrecht gehender Hominide und lebte vor über 3 Millionen Jahren in Äthiopien. Dass dieser frühe Vorfahre des Menschen bereits aufrecht gehen konnte, beweisen die Fossilien der berühmten Lucy. Doch wie sah die Kindheit eines Australopithecus aus? Liefen die Kinder dieser Vormenschen ebenfalls schon aufrecht? Oder hielten sie sich noch vorwiegend in Bäumen auf?
Um das herauszufinden, haben Forscher des US-amerikanischen Dartmouth College die Fossilien des sogenannten Dikika-Kindes (Lucy's Baby) noch einmal neu analysiert. Dabei handelt es sich um die Überreste eines etwa 2,5 Jahre alten Australopithecus-Mädchens, das vor 3,3 Millionen Jahren in einem Fluss ertrank. Die Fossilien wurden im Jahr 2002 vom bekannten Paläoanthropologen Zeresenay Alemseged entdeckt.

Die Kinder haben noch viel Zeit auf Bäumen verbracht

Das Dikika-Kind konnte wie die berühmte Lucy schon recht gut auf zwei Beinen herumlaufen, schreiben Professor Jeremy DeSilva und seine Kollegen im Fachmagazin Science Advances. Allerdings liefert der nahezu vollständig erhaltene Fuß des Kindes auch Hinweise darauf, dass das kleine Mädchen noch viel Zeit auf Bäumen verbracht hat. Dafür sprechen die Beschaffenheit des großen Zehs und einige andere anatomische Merkmale.
Professor DeSilva hat dafür eine einleuchtende Erklärung: "Aufrecht auf zwei Beinen herumzulaufen, war ein Meilenstein auf dem Weg zum Menschen. Aber ein noch nicht vollständig entwickelter aufrechter Gang in einer Landschaft voller Raubtiere wäre ein Rezept zum Aussterben gewesen."
Die Forscher vermuten, dass sich das Dikika-Kind vor allem nachts in Bäumen aufhielt, um nicht von Raubtieren gefressen zu werden. Und wenn seine Mutter tagsüber auf Nahrungssuche ging, dann klammerte es sich an ihr fest, wie man es von heutigen Menschenaffen kennt.

In einem Fluss ertrunken

Die Kinder von Australopithecus afarensis haben wahrscheinlich deutlich mehr Zeit auf Bäumen verbracht als ihre Eltern, sagen die amerikanischen Paläoanthropologen. Erst wenn sie größer wurden und besser aufrecht gehen konnten, hielten sie sich häufiger am Boden auf.
Das Dikika-Mädchen hat diesen Zeitpunkt nicht mehr erlebt. Es fiel im Alter von 2,5 Jahren von einem Baum und ertrank in einem Fluss.

Kein Menschenaffe mehr, aber auch noch kein Mensch

"Wenn du vor 3 Millionen Jahren in Afrika gelebt hast, ohne Feuer, ohne Hilfe, ohne Verteidigungsmöglichkeiten, dann war es sicherlich hilfreich, auf einen Baum klettern zu können, wenn die Sonne unterging", schreibt Zeresenay Alemseged, der Entdecker des Dikika-Kindes, in einem Begleitkommentar zur neuen Studie.
Die neuen Forschungsergebnisse bestätigen im Grunde das, was Alemseged und sein Team bereits herausgefunden haben. Zum Beispiel, dass die Schultern des Dikika-Kindes noch denen von Menschenaffen ähnelten und noch nicht menschenähnlich waren. Und das half dem kleinen Australopithcus-Mädchen, sich auf einen Baum zu retten, wenn ein gefährliches Raubtier nahte.
Die neuen Forschungsergebnisse bestätigen nach Ansicht von Professor Jeremy DeSilva, dass es sich beim Australopithecus afarensis tatsächlich um eine Mosaikform handelte, die kein Menschenaffe mehr war, aber auch noch kein Mensch.
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