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40 Jahre Lucy. Die Erstbeschreibung eines legendären Fossilfundes

40 Jahre Lucy. Die Erstbeschreibung eines legendären Fossilfundes
Ob die berühmte Lucy wirklich so menschlich dreinschaute wie bei dieser Rekonstruktion, ist umstritten. Aber sie ist nach wie vor ein legendäres Fossil.
Foto: © Wikimedia Commens, Shalom, CC BY-SA 3.0 Lizenz
HAPPY BIRTHDAY Lucy, das berühmteste Fossil der Paläoanthropologie, wird 40 Jahre alt. Im Jahr 1978 präsentierten Donald Johanson, Tim White und Yves Coppens der Weltöffentlichkeit einen sensationellen Fund: Dutzende Knochen eines Vormenschen, der vor 3,2 Millionen Jahren in Äthiopien gelebt hatte.
Lucy war in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Sie war nicht nur das vollständigste Fossil eines Australopithecus afarensis, das man bis dato ausgegraben hatten, sondern Lucy's Oberschenkelknochen, ein Schienbein und Teile des Beckens lieferten erstmals überzeugende Beweise dafür, dass diese Menschenaffen tatsächlich aufrecht gegangen sind und zu den Vorfahren des Menschen gehören.

Vier Jahre Forschungsarbeit

Als Johanson, White und Coppens ihre Studie veröffentlichten, lagen vier Jahre Forschungsarbeit hinter ihnen. Denn entdeckt wurden Lucy's Überreste bereits am 24. November 1974. Damals stießen Donald Johanson und sein Doktorand Tom Gray auf einen Armknochen und die Rückseite eines Schädels.
Zunächst schenkten die beiden Paläoanthropologen den Funden keine besondere Aufmersamkeit. Damals wimmelte es in der Afar-Region noch von Fossilien dieser Art. Doch als immer mehr Knochen auftauchten, die offenbar zum gleichen Skelett gehörten, da wurde ihnen klar, dass sie eine ganz besondere Entdeckung gemacht hatten.

Benannt nach einem Beatles-Song

Zur Legendenbildung rund um Lucy trug auch ihr Name bei. Denn offiziell trägt der Fund nur die Archivnummer AL 288-1. Der Name Lucy soll enstanden sein, als die Forscher abends ihre Funde genauer unter die Lupe nahmen und im Hintergrund ein Kassettenrekorder mit dem Beatles-Song "Lucy in the Sky with Diamonds" lief.
Obwohl die Paläoanthropologen in den letzten vierzig Jahren viele andere bedeutende Fossilien ausgegraben haben, ist Lucy zum Urmeter der menschlichen Evolution geworden. Wann immer Forscher einen neuen Fund präsentieren, stößt man auf Formulierungen wie "lebte zur gleichen Zeit wie Lucy", "war etwas größer als die berühmte Lucy" oder "ähnelt der berühmten Lucy".

Gebiss wie ein Gorilla?

Was wissen wir heute über Lucy? Die Australopithecus-Dame war ungewöhnlich klein. Wahrscheinlich nur einen Meter groß oder knapp darüber. Sie starb, als sie 25 Jahre alt war. Wahrscheinlich fiel sie von einem Baum. Und ihre kräftigen Arme lassen vermuten, dass sie noch eine gute Kletterin war, die sich deutlich häufiger in Bäumen aufhielt als auf dem Erdboden.
Die meisten Forscher glauben, dass Lucy zu den direkten Vorfahren des Menschen gehört. Es gibt aber auch Studien, die zu anderen Ergebnissen kommen. So attestierte ein Forscherteam unter der Leitung von Yoel Rak dem Australopithecus afarensis im Jahr 2006 ein Gorilla-ähnliches Gebiss, was Lucy in die Randzone der menschlichen Evolution befördern würde.

Drei blendende Karrieren

Was ist aus den Entdeckern geworden? Den größten Teil des Ruhms strich Donald Johanson ein. Er wurde einer der "Großmeister" der Paläoanthropologie. Allerdings gilt Yves Coppens, der großen Anteil an der wissenschaftlichen Erstbeschreibung hatte, in seinem Heimatland Frankreich als der "wahre Entdecker" von Lucy.
Für den damals noch jungen Tim White war Lucy der Beginn einer blendenden Forscherkarriere. Er entdeckte in den Folgejahren den Australopithecus garhi und den Homo sapiens idaltu und wurde mit einer beeindruckenden Studie über den Ardipithecus ramidus (Ardi) weltberühmt.
Alle drei Forscher sind heute noch aktiv und bekleiden führende Positionen in führenden Forschungseinrichtungen - Arizona State University, College de France, University of California. Weniger Glück hatte offenbar Tom Gray, der hautnah dabei war, als Lucy entdeckt wurde. Sein Name taucht in späteren Studien nicht mehr auf.

Umstrittene Museums-Tour

Im Jahr 2006 sorgte Lucy ein letztes Mal für dicke Schlagzeilen, als das äthiopische Nationalmuseum in Addis Abeba die Originalfossilien für mehrere Ausstellungen an amerikanische und mexikanische Museen auslieh. Mit dem Geld, das Lucy "einspielen" sollte, wollte man die Museen in Äthiopien modernisieren.
Sofort ging ein lauter Aufschrei durch die internationale Forscherszene, denn man befürchtete, dass Lucy's empfindliche Überreste durch die vielen Transporte beschädigt werden könnten. Allerdings hielt sich das Publikumsinteresse in Grenzen und so kehrte Lucy in ihre äthiopische Heimat zurück.
Falls Sie nun auf die Idee kommen sollten, nach Addis Abeba zu reisen, um Lucy mal "in echt" zu sehen - vergessen Sie's. Das äthiopische Nationalmuseum zeigt nur eine Replik. Das Original schlummert in einem gut gesicherten Tresor.
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