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Um solche Faustkeile herzustellen, brauchte man moderne Hände

Um solche Faustkeile herzustellen, brauchte man moderne Hände
Dank experimenteller Archäologie haben Forscher herausgefunden, wie die Hände von Menschen beschaffen waren, die vor 500.000 Jahren in England lebten.
Foto: © Alastair Key, Metin Eren
Vor etwa 500.000 Jahren entwickelte der Mensch in Europa eine neue Abschlagtechnik, um Steinwerkzeuge herzustellen. Man bezeichnet sie als "Vorbereitete Kerntechnik" oder Acheuleen-Industrie. Anstatt ein Stück Fels so lange zu bearbeiten, bis ein einzelner scharfer Faustkeil übrig blieb, wurde ein großer Feuerstein durch gezielte Schläge so vorbereitet, dass man daraus mehrere Klingen und Schaber gewinnen konnte, die deutlich filigraner waren als die Werkzeuge des Oldowan.
Einer der bekanntesten Fundorte für diese neue Werkzeug-Kultur in Europa ist die archäologische Fundstätte Boxgrove Quarry in Südengland. Und Forscher der Universität Kent haben herausgefunden, dass die Menschen, die vor 500.000 Jahren dort lebten und diese neue innovative Werkzeugtechnik genutzt haben, viel kräftigere Hände besessen haben müssen als ihre afrikanischen Vorfahren.

Experimentelle Archäologie

Weil es keine menschlichen Hand-Fossilien aus dieser Zeit gibt, haben Dr. Alastair Key und seine Kollegen experimentelle Archäologen mit Sensoren verkabelt, Steinkerne bearbeiten lassen und die Kräfte gemessen, die notwendig sind, um daraus Abschläge, Faustkeile und Schaber herzustellen. Und sie kommen zu dem Ergebnis, dass ein enorm kräftiger Präzisionsgriff notwendig war, um das mit der neuen Technik zu bewerkstelligen.
Die britischen Forscher glauben, dass sich die neue Werkzeugtechnik, wie man sie in Boxgrove gefunden hat, erst durchsetzen konnte, nachdem sich die menschliche Hand noch einmal verändert hatte und der Mensch besonders kräftig zugreifen konnte - jedenfalls deutlich kräftiger als für ältere Werkzeugtechnologien erforderlich.
In ihrer Studie schreiben die Wissenschaftler, dass die "Boxgrove-Hominine" im Vergleich zu früheren Populationen bereits eine moderne Hand besessen haben müssen, die der des heutigen modernen Menschen bereits sehr ähnlich war. Und dies ist nach Ansicht der Forscher von besonderer Bedeutung, weil es kaum Hand-Fossilien aus dieser Zeit gibt.
Dr. Alastair Key: "Handknochen aus der Zeit vor 300.000 Jahren sind selten, besonders im Vergleich zu anderen menschlichen Fossilien wie Zähnen. Und so war es aufregend, die Anatomie unserer frühen Vorfahren anhand ihrer Werkzeugkultur zu untersuchen."

Wahrscheinlich Homo heidelbergensis

Welche Menschenart vor 500.000 Jahren in Boxgrove Quarry gelebt hat, ist nicht so ganz klar. Zwar haben die Paläoanthropologen über 400 Faustkeile, Kratzer und Schaber freigelegt, aber sie haben nur einen einzelnen menschlichen Schienbeinknochen und zwei Zähne gefunden. Und die stammen, das haben anatomische Analysen ergeben, von einem etwa 1,80 Meter großen Mann, der im Alter von 35 bis 40 Jahren gestorben ist.
Die meisten Paläoanthropologen gehen davon aus, dass die "Boxgrove-Hominine" zur Menschenart Homo heidelbergensis gehörten, die sich damals in Europa ausbreitete. Das belegen Fossilfunde aus Spanien, Frankreich, Italien, Griechenland und Ungarn. Und diese frühen Europäer scheinen bereits über kräftige, moderne Hände verfügt zu haben, wie man sie vom heutigen Homo sapiens kennt.
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