HOMO SAPIENS
Button
Menschen. Urmenschen. Hominiden
Forscher. Fossilien. Artefakte
Menübutton

Die Ausbreitung des Homo erectus scheiterte an Europas hohen Bergen

Die Ausbreitung des Homo erectus scheiterte an Europas hohen Bergen
Der Homo erectus war viel früher in Südeuropa, als man lange dachte. Doch er schaffte es nicht, die Alpen und die Pyrenäen zu überqueren.
Foto: © Ryan Somma, CC BY-SA 2.0 Lizenz
Der Urmensch Homo erectus entstand vor 2,0 Millionen Jahren in Afrika, breitete sich vor 1,8 Millionen Jahren in den vorderen Orient aus und erreichte vor 1,6 Millionen Jahren Asien. Europäische Funde aus dieser Zeit gibt es nicht. Jedenfalls keine, die von der Fachwelt anerkannt werden.
Lange glaubten die Paläoanthropologen, dass der Homo heidelbergensis die erste Menschenart war, die Europa besiedelte. Das soll vor etwa 500.000 Jahren geschehen sein. Davor, so dachte man, gab es in Europa keine Menschen. Doch die zeitliche Lücke zwischen der Besiedlung Asiens und Europas - immerhin 1 Million Jahre - ließ sich nur schwer erklären.

Die Entdeckung des Homo spec.

Inzwischen weiß man, dass der Homo heidelbergensis, den einige Forscher als eigene Art einordnen und andere als Unterart des Homo erectus klassifizieren, nicht der erste Europäer war. Das belegen Fossilfunde aus Nordspanien (Homo antecessor, ca. 700.000 Jahre) und Italien (Homo cepranensis, ca. 900.000 Jahre) sowie versteinerte Fußspuren aus England (Happisburgh, 800.000 Jahre).
Dieses Datum wurde im Jahr 2007 noch einmal deutlich nach hinten verschoben, als spanische Forscher einen menschlichen Unterkiefer fanden, der auf ein Alter von 1,2 bis 1,3 Millionen Jahren datiert wurde. Da man den Kiefer keiner Menschenart zuordnen konnte, bezeichnet man ihn bis heute als "Homo spec." (spec. steht für unklare Spezies).

Noch ältere, aber umstrittene Fossilien

Es gibt zwei Fossilien, die noch älter sind als der Homo spec. Es handelt sich um ein fragmentiertes Schädeldach und einen Kinderzahn aus Südspanien. Die Funde sorgten als "Mensch von Orce" und "Kind von Orce" für Schlagzeilen und wurden auf ein Alter von 1,4 Millionen Jahren datiert. Allerdings gibt es nur wenige Paläoanthropologen, die diese Fossilien anerkennen.
Das Schädeldach, so wollen einige Experten herausgefunden haben, soll gar nicht von einem Menschen stammen, sondern von einem Huftier, möglicherweise von einem Esel. Und der Kinderzahn ist wahrscheinlich "nur" 1,0 Millionen Jahre alt. Wie das zu bewerten ist, müssen künftige Studien zeigen.

Endstation Hochgebirge

Schaut man sich die Datierungen und Fundorte der ersten Europäer an, dann zeichnet sich ab, dass der Homo erectus (oder eine eng verwandte Art) schon früh versucht hat, den Kontinent zu besiedeln. Eine Route führte von Süd- nach Nordspanien, eine andere über den östlichen Mittelmeerraum nach Italien. Doch beide Populationen scheinen dort nicht weitergekommen zu sein. Sie haben Mitteleuropa nie erreicht.
Schaut man auf die Landkarte, dann scheint der Grund dafür offensichtlich. Zwischen Spanien und Frankreich liegen die Pyrenäen und zwischen Italien und der Schweiz/Österreich die Alpen - zwei gewaltige Gebirgszüge, die nur schwer zu überwinden sind.
Der frühe Homo erectus war offenbar nicht in der Lage, diese hohen Berge zu überqueren. Oder es wahr ihm schlicht zu mühselig. Die erste Menschenart, die das wagte und schaffte, war der Homo heidelbergensis. Doch das geschah erst vor 500.000 Jahren.
Wie die versteinerten Fußspuren aus dem englischen Happisburgh (800.000 Jahre) in dieses Bild passen, ist noch unklar. Möglicherweise hat sich eine kleine Jagdgruppe entlang der Küsten nach Norden vorgetastet und ist im heutigen Großbritannien gestrandet. Zu einer dauerhaften Besiedlung kam es jedenfalls nicht.
Miguelon war weder Homo heidelbergensis noch Neandertaler
Im Tibetischen Hochland haben vor 40.000 Jahren Menschen gelebt
Button Über Charles Darwin und die Evolutionstheorie
Button Wie funktioniert eigentlich Evolution?
Button Fossilien sind seltener als Diamanten
Button Menschen und Hominiden nach Gattung und Art
PALÄO UPDATE
Erstaunliche Parallelen zwischen den Philippinen und der Insel Flores

EVOLUTION & MEINUNG

Je unwahrscheinlicher, aus statistischer Sicht, ein Vorgang ist, desto weniger können wir annehmen, dass er durch blinden Zufall geschah.
Richard Dawkins

Diese Beiträge könnten Sie ebenfalls interessieren

Schädelform: Wieviel Neandertaler steckt eigentlich in ihrem Kopf?
PALÄO NEWS
Hilfe, die haben ein drei Meter tiefes Loch in unser Stonehenge gebohrt
Das Klima gab der Evolution des Menschen einen kräftigen Schub
Harte Winter: Die Kinder der Neandertaler waren häufig krank
Übersicht: Alle neuen Beiträge in chronologischer Reihenfolge »