HOMO SAPIENS
Button
Menschen. Urmenschen. Hominiden
Forscher. Fossilien. Artefakte
Menübutton

Der große Zeh war der letzte, der sich vom Baum verabschiedete

Der große Zeh war der letzte, der sich vom Baum verabschiedete
Der Fuß des Ardipithecus ramidus war nur teilweise an den aufrechten Gang angepasst und besaß immer noch einen opponierbaren großen Greifzeh.
Grafik: © Jay H. Matternes
Der Fuß des Menschen ist einzigartig in der Welt der Primaten. Er ist vollständig an den aufrechten Gang angepasst und besitzt keinen opponierbaren großen Zeh mehr, mit dem man sich an Ästen festhalten oder Dinge greifen kann. Und dieser evolutionäre Umbau vom Affen- zum Menschenfuß dauerte wahrscheinlich zwei Millionen Jahre.
Ein Forscherteam der amerikanischen Stony Brook Universität unter der Leitung von Peter Fernandez hat 3-D-Scans von Hominiden, Affen und Menschenaffen, heutigen Menschen und ausgestorbenen Menschenformen miteinander verglichen, um herauszufinden, wann sich der menschliche Fuß entwickelt hat und in welchen Schritten das vonstatten ging.

Aufrechter Gang trotz Greifzeh?

Der Fuß des Menschen hat nur eine Aufgabe - einen möglichst effektiven und stabilen aufrechten Gang zu ermöglichen. Und eine entscheidende Rolle spielt dabei der große Zeh, der als letzter den Boden verlässt, wenn wir einen Schritt machen. Der große Zeh stabilisiert unseren Gang und sorgt dafür, dass wir nicht "torkeln".
Die Füße der Affen sind ganz anders konstruiert. Ihr großer Zeh ist sehr beweglich und mit starken Muskeln ausgestattet, um damit Dinge zu greifen. Er fungiert als "dritte Hand", mit der man sich an Ästen festhalten und durch Bäume hangeln kann.
Umso überraschter waren die Paläoanthropologen, als sie die ersten Fußknochen von Homiden ausgruben, die zwar aufrecht gehen konnten, aber immer noch einen opponierbaren großen Affenzeh besaßen. Wie passte das zusammen?

Der Ardipithecus war kein Vorfahre des Menschen

Peter Fernandez und seine Kollegen haben versucht, die Evolution des menschlichen Fußes anhand von Fossilien zu rekonstruieren. Und sie kommen zu dem Ergebnis, dass sich der anatomische Umbau des Fußes in vielen kleinen Schritten vollzog und dass der große Zeh und seine Gelenke die letzten Fußknochen waren, die sich dem aufrechten Gang angepasst haben. Und das geschah erst mit der Entstehung der Gattung Homo vor 2,5 bis 2,0 Millionen Jahren, so die Forscher.
Beim Ardipithecus ramidus, der vor 4,4 Millionen Jahren lebte, war das noch anders. Während sich einige Teile des Fußes bereits verändert und für den aufrechten Gang optimiert hatten, war der große Zeh des Ardipithecus nach wie vor ein opponierbarer Greifzeh. Dies stützt die These von Entdecker Tim White, dass der Ardipithecus zwar aufrecht gehen konnte, aber immer noch in Bäumen lebte.
Fernandez und Co. haben bei ihren Untersuchungen noch etwas festgestellt. Der Fuß des Ardipithecus hatte sich zwar bereits in Richtung Bipedalität entwickelt, unterscheidet sich anatomisch aber deutlich vom menschlichen Fuß. Daher nehmen die Forscher an, dass der Ardipithecus kein direkter Vorfahre des Menschen war, sondern eine evolutionäre Seitenlinie, die sich parallel entwickelte und irgendwann ausgestorben ist.

Langsamer kontinuierlicher Umbau

Der Übergang vom Affen- zum Menschenfuß vollzog sich nicht in einem "einzigen gigantischen Schritt", so die Forscher, sondern bestand in einer langen Reihe kontinuierlicher anatomischer Veränderungen. Und die letzte Veränderung war wohl auch die wichtigste: die vollständige Anpassung des großen Zehs und seiner Gelenke an den aufrechten Gang.
Die Füße der frühen Hominiden hatten einen "gemischten und vielseitigen Funktionsumfang", schreiben Fernandez und sein Team in ihrer Studie, die im Fachmagazin PNAS veröffentlicht wurde. Und das änderte sich erst relativ spät - mit der Entstehung des Menschen.
Wie es aussieht, war der große Laufzeh das letzte Detail, das noch fehlte, um aus einem aufrecht "torkelnden" Affen einen Menschen zu machen. Die Fortbewegung auf zwei Beinen war nun so stabil und sicher, dass die Hominiden die Bäume verlassen und sich dauerhaft am Boden aufhalten konnten. Und sie hatten plötzlich die Hände frei, um damit nach Werkzeugen zu greifen und andere kluge Sachen zu tun.
SKULL.X - Der Paläo Blog
Deutsche Forscher entdecken in Frankreich zwei neue Bilderhöhlen
Jeder 5. frühe Mensch litt unter Geburtsfehlern und Erbkrankheiten
Button Über Charles Darwin und die Evolutionstheorie
Button Wie funktioniert eigentlich Evolution?
Button Fossilien sind seltener als Diamanten
Button Menschen und Hominiden nach Gattung und Art
PALÄO UPDATE
Madagaskar reloaded. Erste Jagd schon vor 10.500 Jahren

EVOLUTION & MEINUNG

Die Theorie ist eine Vermutung mit Hochschulbildung.
Jimmy Carter

Diese Beiträge könnten Sie ebenfalls interessieren

Wo sich Neandertaler, Denisovas und Homo sapiens begegnet sind
PALÄO NEWS
Bohrkerne beweisen: Das Jahr 536 war das schlimmste aller Zeiten
Hört auf, nach uralten Knochen zu suchen, das ist überholt
Eine Mutation machte den Menschen zum besten Läufer der Welt
Übersicht: Alle neuen Beiträge in chronologischer Reihenfolge »