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Zeigt uns endlich den Oberschenkel des Sahelanthropus!

Zeigt uns endlich den Oberschenkel des Sahelanthropus!
Schädel des Sahelanthropus. War er nur ein Menschenaffe? Sein Oberschenkel könnte Klarheit bringen.
Foto: © Daderot, CC0
Gibt es fossile Beweise, dass der Sahelanthropus tchadensis gar kein aufrecht gehender Hominide war? Und werden diese Beweise seit mehr als 15 Jahren vor der Fachwelt und der Öffentlichkeit geheimgehalten?
Schon seit dem Jahr 2004 kursieren Gerüchte, dass die Entdecker des Sahelanthropus nicht nur einen fragmentierten Schädel und ein paar kleinere Knöchelchen gefunden haben, sondern auch einen kompletten Oberschenkel. Doch eine wissenschaftliche Studie über dieses aussagekräftige Fossil wurde nie publiziert. Und das sorgt für Spekulationen.

Oberschenkel als Geheimobjekt

Im Jahr 2001 machte ein französisches Forscherteam unter der Leitung von Michael Brunet im afrikanischen Tschad einen sensationellen Fund. Sie stießen auf die Überreste eines ihrer Meinung nach aufrecht gehenden Hominiden, den sie Sahelanthropus tchadensis nannten. Das Fossil sorgte wegen seines Alters von 7 Millionen Jahren weltweit für Schlagzeilen. Brunet und Co. waren davon überzeugt, den ältesten Hominiden und das evolutionäre Bindeglied zwischen Affe und Mensch gefunden zu haben.
Was im allgemeinen Trubel nahezu unterging: Die Forscher hatten auch einen Oberschenkelknochen gefunden, der wahrscheinlich vom Sahelanthropus stammt. Und dieser Oberschenkel könnte Aufschluss darüber geben, ob der Sahelanthropus wirklich ein Hominide war oder nur ein Verwandter der Gorillas, wie manche Forscher glauben.
Obwohl Aude Bergeret (heute Leiterin des Museum d'Histoire Naturelle in Montauban) und Roberto Macchiarelli (Universität Poitiers) den Oberschenkelknochen bereits im Jahr 2004 untersuchen konnten, wurden die Forschungsergebnisse nie publiziert. Der Knochen verschwand in den Archiven der Universität und wurde keinem anderen Paläoanthropologen zugänglich gemacht. Und seither fragen sich viele Forscher: Haben die französischen Kollegen etwas zu verbergen?

Veröffentlichung abgeblasen

Im Januar 2018 sollte es endlich soweit sein. Bergeret und Macchiarelli wollten beim Jahrestreffen der "Society of Anthropology of Paris" erstmals öffentlich über ihre Forschungsergebnisse berichten. Doch die wissenschaftliche Präsentation wurde von den Organisatoren wegen angeblich fachlicher Mängel von der Tagesordnung gestrichen. Hat man Angst, dass die französische Ikone "Sahelanthropus" zu Staub zerfällt?
Wie Nature News, ein Ableger des bekannten Fachmagazins, berichtet, hat Roberto Machiarelli der Redaktion sein unveröffentlichtes Manuskript zugänglich gemacht. Und obwohl sich die Autoren mit Details zurückhalten, entsteht der Eindruck, dass Machiarelli nicht glaubt, dass der Oberschenkel von einem aufrecht gehenden Hominiden stammt.

Es gibt erhebliche Zweifel

Dies würde sich mit der Kurzbeschreibung des Fundes decken, die Machiarelli und Bergeret bereits im Jahr 2004 verfasst haben. Danach unterscheidet sich der Sahelanthropus-Oberschenkel deutlich von Orrorin tugenensis und anderen Hominiden. Und laut Nature News soll Machiarelli schon damals Zweifel geäußert haben, dass der Knochen von einem aufrecht gehenden Hominiden stammt.
Also alles ein großer Bluff? Wird uns da ein Affe als Hominide verkauft, obwohl längst klar ist, dass das nicht stimmen kann? Schwer zu sagen. Aber solange die französischen Forscher das Fossil unter Verschluss halten, müssen sie mit solchen Spekulationen leben.
Sahelanthropus-Entdecker Michel Brunet wollte sich gegenüber Nature News nicht äußern. Per E-Mail teilte er der Redaktion mit: "Unsere Studien laufen noch. Bis es eine Publikation gibt, haben wir dazu nichts zu sagen."

So kann es nicht weitergehen

Die Fachwelt ist nicht gerade begeistert von der Geheimniskrämerei der französischen Forscher. So sagt William Jungers von der Stony Brook Universität in New York: "Eine Veröffentlichung ist längst überfällig. Wir wissen nicht, warum sie das geheimhalten. Gut möglich, dass es sich nicht um einen Hominiden handelt."
John Hawks, Professor für Anthropologie an der Universität Wisconsin, formuliert es noch deutlicher: "Diese Geheimhaltung war von Anfang an lächerlich. Inzwischen ist sie nur noch unentschuldbar."
Und Paläo-Schwergewicht Bernhard Wood von der George Washington Universität in New York ist sowieso der Meinung, dass das Fossil von einem ausgestorbenen Menschenaffen stammt.
Es wird Zeit, dass Sahelanthropus-Entdecker Michel Brunet und seine Kollegen ihre Karten auf den Tisch legen. Stammt der Oberschenkel von einem aufrecht gehenden Hominiden oder nicht? Falls nicht, dann muss der frühe Stammbaum des Menschen grundlegend überarbeitet werden.
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Fotomontage: © J. Matternes (1), Public Domain (1)
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