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Der Peking Mensch beherrschte das Feuer schon vor 600.000 Jahren

Der Peking Mensch beherrschte das Feuer schon vor 600.000 Jahren
Neue Grabungen in der chinesischen Zhoukoudian Höhle scheinen zu belegen, dass der Peking Mensch schon vor 600.000 Jahren kontrolliert Feuer machen konnte.
Der sogenannte Peking Mensch (Homo erectus pekinensis), der vor 770.000 bis 400.000 Jahren in China lebte, war möglicherweise doch nicht so ursprünglich und primitiv, wie man ihn in den letzten Jahrzehnten gemacht hat. Zu diesem Ergebnis kommen chinesische Paläoanthropologen, die noch einmal in der Zhoukoudian Höhle in der Nähe von Peking gegraben haben.
Ein Forscherteam, das von Xing Gao von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften geleitet wurde, ist während einer dreijährigen Grabungskampagne auf Asche, verbrannte Tierknochen und verkohlte Steine gestoßen, die nach Ansicht der Paläoanthropologen eindeutig belegen, dass der Peking Mensch schon vor 600.000 Jahren Feuer machen konnte.

Verschollene Fossilien

Der Peking Mensch ist bis heute eine mysteriöse Menschenart, denn die Originalfossilien von etwa 40 Individuen, die man bereits in den späten 1920er Jahren entdeckt hat, sind in den Wirren des 2. Weltkriegs verloren gegangen. Man nimmt an, dass sie 1941 mit einem Schiff gesunken sind, das die kostbaren Funde vor den japanischen Invasoren in Sicherheit bringen sollte.
Das einzige, was heute noch vom Peking Menschen übrig ist, sind ein paar Zeichnungen und schlechte Abgüsse des deutschen Anatomen und Anthropologen Franz Weidenreich († 1948) sowie ein halbes Dutzend Zähne. Entsprechend vage ist das Bild, dass sich die Forscher vom Peking Menschen machen können.

Grunzender Aasfresser?

Trotz des begrenzten und qualitativ schlechten Forschungsmaterials kamen mehrere Studien zu dem Ergebnis, dass der Peking Mensch deutlich ursprünglicher und primitiver war als der aus Europa bekannte Homo heidelbergensis, der zur gleichen Zeit lebte.
Das Gehirn des Peking Menschen sei zu klein gewesen für eine vernünftige Sprache und Feuer habe er auch nicht machen können, war zu lesen (Boas et al). Und die Steinwerkzeuge, die er nutzte, waren noch sehr schlicht und ähnelten der afrikanischen Oldowan-Kultur (2,5 - 1,5 Mio Jahre).
In der Folgezeit setzte sich die Lehrmeinung durch, dass der Peking Mensch aus einer frühen Migrationswelle out of Africa stammte, die sich in China nicht großartig weiterentwickelte und irgendwann ausstarb. Noch vor wenigen Jahren bezeichnete der SPIEGEL den Homo pekinensis deshalb als "brutaler und grunzender Aasfresser".

Frühe Hinweise auf Feuerstellen

Schon bei den Grabungen in den 1920er und 1930er Jahren gab es Hinweise, dass der Peking Mensch Feuerstellen anlegte und kontrolliert Feuer machen konnte. Doch die Forschungsergebnisse von "anno Tobak" wurden von nachfolgenden Forschergenerationen abgelehnt. Feuermachen passte einfach nicht zum Bild vom primitiven Urmenschen.
Xing Gao und seine Kollegen von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften kommen nun zu einem anderen Ergebnis. Sie sind bei Nachgrabungen am Originalfundort auf Aschereste und Fossilien von Beutetieren gestoßen, die sowohl innen als auch außen verkohlt waren. Außerdem fanden sie verbrannte Steine, die wahrscheinlich dazu dienten, die Feuerstellen zu sichern.

Erstaunlich große Gehirne

"Die Beweise dafür, dass der Peking Mensch Feuer machen und es kontrollieren konnte, sind dieses mal viel überzeugender", sagt Studienleiter Xing Gao. "Wir haben sie unberührt tief unter der Erde gefunden und sie waren keinerlei Wettereinflüssen ausgesetzt." Er ist davon überzeugt, dass es sich nicht um natürlich entstandene Brände handeln kann.
Sollte das Alter von 600.000 Jahren stimmen, mit dem die Wissenschaftler die Fundschicht datiert haben, dann gehören die Feuerstellen in Zhoukoudian zu den ältesten auf der Welt. Und dies lässt darauf schließen, dass der Peking Mensch wohl doch nicht so primitiv war, wie man bislang annahm. Denn um ein Feuer zu entzünden, braucht man eine gewisse Portion Grips.
Das deckt sich mit einer neueren Schädelanalyse, die zu dem Ergebnis kommt, dass die Gehirne des Homo pekinensis bis zu 1300 ccm groß werden konnten. Dies entspräche in etwa der Hirngröße des europäischen Homo heidelbergensis und wäre nur unwesentlich kleiner als das Gehirn eines heutigen Menschen.
Vielleicht sollten wir uns an den Gedanken gewöhnen, dass der Homo pekinensis kein archaisches Relikt aus grauer Vorzeit war, das von der Zeit vergessen wurde, sondern eine Menschenform, die für die Zeit vor 600.000 Jahren durchaus "State of the Art" war - wären da nicht diese schrecklich schlichten Steinwerkzeuge, die der afrikanische Homo erectus schon vor 1,8 Millionen Jahren benutzte.
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