HOMO SAPIENS
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DER NEANDERTALER

Der Homo heidelbergensis mutiert zum Neandertaler

Neandertaler
Foto: © 120, CC BY-SA 3.0 Lizenz
Vor etwa 200.000 Jahren tauchte in Europa der Neandertaler auf und ersetzte den Homo heidelbergensis, einen späten Vertreter von Homo erectus. Die meisten Forscher sind davon überzeugt, dass dieser "Artenwechsel" durch die nahende Eiszeit ausgelöst wurde.
Als der Homo heidelbergensis vor etwa 500.000 Jahren nach Europa kam, herrschte dort ein angenehmes Klima. Doch im Laufe der Jahrtausende wurde es immer kälter und unwirtlicher. Die Eiszeit nahte. Und der Urmensch musste sich anatomisch anpassen, wenn er nicht erfrieren wollte. Das Resultat dieses Evolutionsprozesses war eine neue Menschenart - der Neandertaler (Homo neanderthalensis).

Anatomische Anpassung an das neue Klima

Den Neandertaler zeichnen anatomische Merkmale aus, die der Homo heidelbergenis nicht besaß. Die Statur wurde gedrungener, die Unterschenkel kürzer und eine dicke Knollennase erwärmte die Luft beim Einatmen. Außerdem besaßen die Neandertaler Mitochondrien (Kraftwerke der Körperzellen), die Stärke nicht nur in Energie umwandelten, sondern auch in Körperwärme. Solche Mitochondrien findet man heute nur noch bei den Eskimos.
Aufgrund dieser besonderen Merkmale bezeichnet man die Neandertaler auch als "Eiszeit-Menschen". Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Auch die Leidensfähigkeit der Neandertaler hatte ihre Grenzen. Als die arktische Kälte ihr Maximum erreichte, zogen sie sich in südliche Gefilde zurück. Die Neandertaler besiedelten Teile Spaniens und Südfrankreichs sowie mehrere Regionen in Südosteuropa und am Schwarzen Meer. In den kalten Norden (z.B. nach Deutschland) kehrten sie nur noch zurück, wenn es längere Wärmeperioden gab.

Warum ist der Neandertaler ausgestorben?

Der Neandertaler lebte während seiner Blütezeit in einem riesigen Gebiet, das von Spanien im Westen bis in den heutigen Irak reichte. Doch vor 40.000 Jahren starb er schlagartig aus. Und bis heute rätseln die Forscher darüber, warum es dazu kam. Gab es eine letzte furchtbare Kältewelle, die kein Mensch überleben konnte? Wurden die Neandertaler vom modernen Menschen Homo sapiens ausgerottet? Fielen sie Krankheiten zum Opfer, die der Homo sapiens aus Afrika einschleppte? Wir wissen es nicht. Das Verschwinden der Neandertaler bleibt (vorerst) ein Rätsel.

Vermischung mit dem Homo sapiens

Glaubt man den Genetikern, dann hatten einige Neandertaler Sex mit dem aus Afrika einwandernden Homo sapiens. Sie zeugten Mischlinge. Und Spuren dieser Techtelmechtel findet man im Erbgut heutiger Menschen. Alle Europäer und Asiaten sollen 2 bis 4 Prozent Neandertaler-DNA in sich tragen. Doch ganz unumstritten ist dieses Forschungsergebnis nicht. Die Gen-Sequenzen, die sich Neandertaler und Homo sapiens teilen, könnten auch von einem gemeinsamen Vorfahren stammen. Hier ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.

Zusammenfassung

Vor 200.000 Jahren entwickelten sich mit dem Neandertaler (Europa) und dem Homo sapiens (Afrika) zwei neue Menschenarten, was zum Aussterben des Urmenschen Homo erectus führte. Vor 40.000 Jahren erwischte es dann auch den Neandertaler. Übrig blieb der moderne Mensch Homo sapiens, der die einzige noch existierende Menschenart ist.
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