Startseite Antropus
Menschen. Urmenschen. Hominiden
Forscher. Fossilien. Artefakte
Menübutton

Der Neandertaler konnte seine Holzspeere auch werfen - vielleicht

Der Neandertaler konnte seine Holzspeere auch werfen - vielleicht
Bislang dachte man, dass der Neandertaler seine Speere ausschließlich als Stoßwaffe nutzte und seine Beutetiere im Nahkampf erlegte. Stimmt nicht, sagen britische Forscher.
Foto: © Photaro, CC BY-SA 3.0 Lizenz
SPEERE AUS DEM STAMMBAUM Der Neandertaler hat seine Holzspeere nicht nur im Nahkampf genutzt, um Mammuts und andere große Beutetiere zu erlegen, sondern er konnte sie auch beachtlich weit und ziemlich präzise werfen. Zu diesem Ergebnis kommen Annemieke Milks, David Parker und Matt Pope vom University College London.
Die britischen Forscher haben Neandertaler-Speere detailgetreu nachgebaut und von professionellen Speerwerfern testen lassen. Dabei stellte sich heraus, dass die Speere, die der Neandertaler nutzte, durchaus für die Distanzjagd geeignet waren.

Weiter Flug und tödliche Durchschlagskraft

Als Vorlage für die mit Faustkeilen hergestellten Speere dienten den britischen Forschern die 300.000 Jahre alten Schöninger Speere, die vom Neandertaler-Vorfahren Homo heidelbergensis hinterlassen wurden.
Tests mit heutigen Speerwerfern haben ergeben, dass die Speere über 20 Meter weit geworfen werden konnten und ziemlich präzise ihr Ziel trafen. Und die Durchschlagskraft war stark genug, um auch große Tiere zu töten.
"Unsere Studie belegt, dass die Neandertaler technologisch geschickt und dem modernen Menschen ebenbürtig waren", sagt Studienleiterin Annemieke Milks. "Die Neandertaler konnten große Tiere auch aus der Entfernung töten. Sie mussten dazu nicht in den riskanten Nahkampf."

Unterschiedliche Jagdmethoden widerlegt?

Die neue Studie widerspricht mehreren Untersuchungen der letzten Jahre, die allesamt zu dem Ergebnis kamen, dass sich die Jagdstrategien von Neandertaler und Homo sapiens deutlich unterschieden. Der Neandertaler soll ein Nahkampfjäger gewesen sein, der hohe Risiken einging, während der moderne Mensch lieber aus sicherer Distanz jagte.
Viele Forscher werteten das als Beleg dafür, dass der Homo sapiens dem Neandertaler intellektuell und technologisch überlegen war. Annemieke Milks und ihre Kollegen sehen das anders.
Milks: "Unsere Studie zeigt, dass die Distanzjagd zum Jagdrepertoir der Neandertaler gehörte. Dadurch ist die Kluft zwischen dem Neandertaler und dem modernen Menschen wieder etwas kleiner geworden."

Studie mit einem kleinem Schönheitsfehler

Die Studie hat allerdings einen kleinen Schönheitsfehler. Die Speere, die die britischen Forscher nachgebaut haben, stammen vom Neandertaler-Vorfahren Homo heidelbergensis - der möglicherweise auch der Vorfahre des Homo sapiens war. Und es ist nicht erwiesen, dass die Neandertaler die gleichen Speere benutzt haben.
Und so liegt Neandertaler-Experte Clive Finlayson vielleicht gar nicht mal so falsch, wenn er die neue Studie bei der britischen BBC mit den Worten kommentiert: "Ich wundere mich ein wenig, dass man die Schöninger Speere jetzt dem Neandertaler zuordnet."
Milks und Co. begründen ihre Wahl so, dass es sich bei den Schöninger Speeren um die ältesten und am besten erhaltenen Jagdwaffen Europas handelt. Und da der Neandertaler vom Homo heidelbergensis abstammt, nehmen sie an, dass er diese Technologie gekannt haben muss.
Das klingt plausibel, muss aber noch bewiesen werden.
War der Homo antecessor der Vorfahre aller heutigen Menschen?
Der Zahnschmelz fossiler Zähne und das Problem der Phylolithe
Button Über Charles Darwin und die Evolutionstheorie
Button Wie funktioniert eigentlich Evolution?
Button Fossilien sind seltener als Diamanten
Button Menschen und Hominiden nach Gattung und Art
PALÄO UPDATE
Was wir ganz dringend brauchen, sind Fossilien von Affe X

EVOLUTION & MEINUNG

Nicht wenige Experten sehen ihre Daseinsberechtigung darin, einen relativ einfachen Sachverhalt unendlich zu komplizieren.
Pierre Trudeau

Diese Beiträge könnten Sie ebenfalls interessieren

Forscher sicher: Die Neandertaler waren Jäger und keine Fischer
PALÄO NEWS
Die Bausteine des Lebens verdanken wir einer gewaltigen Kollision
Künstliche Intelligenz auf der Suche nach frühen Jägern und Sammlern
Little Foot's Gehirn war ein bisschen Mensch und ein bisschen Schimpanse
Übersicht: Alle neuen Beiträge in chronologischer Reihenfolge »