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Der Neandertaler war kein Maler, weil er den Wurfspeer nicht kannte

Der Neandertaler war kein Maler, weil er den Wurfspeer nicht kannte
Der Neandertaler hat weder Höhlenmalereien noch Wurfspeere hinterlassen. US-Professor Richard Coss sieht da einen Zusammenhang.
Foto: © Wikimedia Commens, CC BY-SA 4.0 Lizenz
Der Neandertaler ist ausgestorben, weil er nicht malen konnte, sagt Psychologie-Professor und Künstler Richard Coss von der University of California. Denn die Herstellung einer Felszeichnung und die Jagd mit einem Wurfspeer erfordern ähnliche geistige Fähigkeiten und werden von den gleichen Hirn-Regionen gesteuert.
Dass der Neandertaler weder Höhlenmalereien noch Wurfspeere hinterlassen hat, wertet Coss als Indiz dafür, dass sich Teile des Neandertalergehirns anders entwickelt haben als beim modernen Menschen Homo sapiens. Und das könnte dazu beigetragen haben, dass der Ureinwohner Europas den Kürzeren zog, als die Nahrungsressourcen während der letzten Eiszeit knapp wurden.

Höhlenmaler waren auch gute Jäger

Der frühe Homo sapiens hat viele Höhlenmalereien hinterlassen, auf denen Tiere und Jagdszenen zu sehen sind. Vom Neandertaler kennt man derlei Kunst nicht. Und dafür gibt es laut Professor Coss einen einfachen Grund. Der Neandertaler war zwar in der Lage, Tiere und Jagderlebnisse aus seinem Arbeitsgedächtnis heraus zu visualisieren, aber er besaß nicht die Fähigkeit, diese mentalen Bilder in koordinierte Bewegungsmuster zu übertragen, die zum Malen erforderlich sind.
Oder einfacher ausgedrückt: Die geistigen Fähigkeiten, die man braucht, um eine Höhlenmalerei anzufertigen, und die geistigen Fähigkeiten, die erforderlich sind, um die Flugbahn eines Speeres zu berechnen, sind nahezu identisch. Man muss das, was man im Gedächtnis gespeichert hat, abstrahieren können. Und dazu war der Neandertaler offenbar nicht in der Lage. Er malte nicht und nutzte keine Wurfspeere, weil die Hirnregionen, die das ermöglichen, bei ihm unterentwickelt waren.

Unterschiedliche Lebensräume

Richard Coss hat dafür eine plausible Erklärung. Der Neandertaler lebte schon über 100.000 Jahre in Europa, bevor der Homo sapiens dort aufkreuzte. Und in dieser Zeit hatte er gelernt, sich von Beutetieren zu ernähren, die relativ einfach zu jagen waren. Er konnte sie im Nahkampf erlegen und benötigte dazu keine Distanzwaffen.
Ganz anders der Homo sapiens, der sich in den offenen Graslandschaften Afrikas entwickelt hatte. Er benötigte Wurfspeere, um ausreichend Beute zu machen. Und um die erfolgreich ins Ziel zu bringen, musste er die Flugbahn und den Wind und die Distanz zur Beute berechnen. Und dadurch entwickelte er geistige Fähigkeiten, die es ihm als "Nebeneffekt" ermöglichten, auch Höhlenmalereien zu produzieren. Salopp könnte man sagen: Die Distanzjagd hat den Homo sapiens zum Höhlenmaler gemacht.

Andere Gehirnentwicklung

Dass der Neandertaler keine Höhlenmalereien hinterlassen hat, lässt darauf schließen, dass die Bereiche im Gehirn, die das zeichnen ermöglichen, bei ihm unterentwickelt waren, schreibt Professor Coss im Wissenschaftsjournal "Evolutionary Studies in Imaginative Culture". Und weil es sich dabei um die gleichen Hirnregionen handelt, die für die Distanzjagd erforderlich sind, war der Neandertaler wahrscheinlich ein schlechterer Jäger als der Homo sapiens.
Laut Professor Coss könnte das erklären, warum der Neandertaler vor 40.000 Jahren ausgestorben ist, während der Homo sapiens überlebt hat. Der Neandertaler war nicht nur kein Maler, sondern auch kein Distanz-Jäger. Er war auf Beutetiere angewiesen, die man im Nahkampf erlegen konnte. Und die wurden während der Eiszeit knapp.
Professor Coss sieht noch einen weiteren Zusammenhang zwischen Höhlenmalerei und Jagd. Coss: "Der Akt des Zeichnens verbessert die Beobachtungsfähigkeit. Vielleicht waren die Felszeichnungen des Homo sapiens sogar nützlich, um Jagden zu konzipieren."
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Wir alle sind nur eine weiterentwickelte Art von Affen, auf einem unbedeutenden Planeten eines sehr durchschnittlichen Sterns.
Stephen Hawking

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