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Der Mythos vom kurzen Leben in der Steinzeit und im Mittelalter

Der Mythos vom kurzen Leben in der Steinzeit und im Mittelalter
Die Menschen der Steinzeit und des Mittelalters wurden viel älter, als man bislang dachte. Das haben Zahnanalysen ergeben, die eine australische Forscherin durchgeführt hat.
Foto: © ANU
NUR FOSSILIEN STERBEN JUNG Die Menschen der Steinzeit und des Mittelalters hatten ein kurzes Leben, steht in allen Lehrbüchern. Nur wenige erreichten das 45. Lebensjahr. Und mit 50 war man ein Tattergreis. Doch dabei könnte es sich um einen archäologischen Mythos handeln.
Christine Cave, eine Archäologin der Australischen National Universität (ANU), hat eine neue Technik entwickelt, um das Todesalter von Fossilien zu bestimmen. Und sie kommt zu ganz anderen Ergebnissen. Sie sagt: "Damals wurden die Menschen nicht nur 40 oder 45 Jahre alt. Es war relativ normal, ein deutlich höheres Alter zu erreichen."

Schwierige Bestimmung des Sterbealters

Das Sterbealter eines erwachsenen Menschen anhand seiner fossilen Knochen zu bestimmen, ist ziemlich schwierig, sagt Christine Cave. Und in der Vergangenheit kam es dabei offenbar zu vielen Fehlinterpretationen.
"Ältere Menschen wurden bislang in archäologischen Studien weitgehend ignoriert", sagt die ANU-Forscherin. "Und ein Grund dafür war die Unfähigkeit, sie zu identifizieren. Daher haben die meisten Studien nur eine Altersklasse von 40 bis 45 Jahren."
Cave weiter: "Man hat also gesunde 40-Jährige und gebrechliche 95-Jährige in einen Topf geworfen. Aber das macht natürlich keinen Sinn, wenn man etwas über die alten Menschen dieser Zeit erfahren will."

Abnutzungspuren auf alten Zähnen

Christine Cave hat eine neue Technik entwickelt, um das Sterbealter von Fossilien zu bestimmen. Sie orientiert sich dabei an den Abnutzungserscheinungen auf den Zähnen. Als Vergleichmaterial dienen ihr Zähne von heutigen Urvölkern, die immer noch wie in der Steinzeit leben.
"Bei Menschen, die immer noch ein traditionelles Leben ohne moderne Medizin führen, liegt das häufigste Todesalter bei etwa 70 Jahren", sagt die Forscherin. "Das ist in allen heute noch existierenden Kulturen bemerkenswert ähnlich."

Damals war es nicht ungewöhnlich, alt zu werden

Erste Tests, die Christine Cave mit Menschen aus dem frühen Mittelalter durchgeführt hat, scheinen ihr Recht zu geben. Die meisten Fossilien, die sie untersucht hat, weisen ein deutlich höheres Sterbealter als 40 oder 45 Jahre auf.
"Damals war es nicht ungewöhnlich, dass Menschen bis ins hohe Alter lebten", sagt die Forscherin.
Sollten die Zahnanalysen der australischen Forscherin korrekt sein, dann handelt es sich bei der Behauptung, dass die Menschen der Steinzeit und des Mittelalters früh starben, um einen archäologischen Mythos, der dadurch zustande kam, dass die Forscher nicht in der Lage waren, das Todesalter von Menschen präzise zu bestimmen.
Christine Cave hofft, dass ihr neues Analyseverfahren dabei hilft, solche Irrtümer künftig zu vermeiden.
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David M. Raup

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