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Der südafrikanische Homo sapiens war mobil und wissbegierig

Der südafrikanische Homo sapiens war mobil und wissbegierig
Steinwerkzeuge aus zwei südafrikanischen Höhlen belegen, dass der frühe Homo sapiens mobil war und sich über große Entfernungen mit seinen Artgenossen ausgetauscht hat.
Fotos: © Anne Delagnes, Gauthier Devilder
HALLO NACHBAR Archäologen der Universität Witwatersrand haben tausende Steinwerkzeuge aus zwei südafrikanischen Höhlen analysiert und miteinander verglichen. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass es erstaunliche Parallelen der Werkzeug-Technologie gibt, die darauf hindeuten, dass diese frühen Homo sapiens-Populationen regelmäßig Kontakt hatten.
Die Funde stammen aus der Zeit vor 66.000 bis 59.000 Jahren und wurden in mehreren sich überlagernden Fundschichten entdeckt, die sich über einen Zeitraum von 7000 Jahren erstrecken. Und wann immer es in der Höhle am Südkap (Klipdrift Shelter) einen Technologie-Wechsel gab, änderten sich auch die Steinwerkzeuge am Westcap (Diepkloof Rock Shelter). Und das, obwohl zwischen den beiden Höhlen 300 Kilometer Luftlinie liegen.

Intensiver kultureller Austausch

Das Forscherteam unter der Leitung von Professor Christopher Henshilwood kommt zu dem Ergebnis, dass das kein Zufall sein kann. Die beiden Homo sapiens-Gruppen müssen über Jahrtausende Kontakt zueinander gehabt haben und dabei ihr Wissen ausgetauscht haben. Wann immer es in einer der beiden Höhlen eine verbesserte Werkzeug-Technik gab, tauchte sie kurz darauf auch in der anderen Höhle auf.
Dr. Katja Douze, die an der Studie beteiligt war, erklärt: "Natürlich gab es auch regionale Besonderheiten. Aber die Übereinstimmungen zwischen Klipdrift Shelter und Diepkloof Rock Shelter sind sehr erstaunlich. Es ist das erste mal, dass man das anhand eines soliden Datensatzes nachweisen kann. Und es zeigt, wie mobil diese Menschen waren."

Der frühe Homo sapiens war gesellig und mobil

Der frühe Homo sapiens war offenbar ein geselliger Typ, der gerne reiste und sich mit seinen Artgenossen austauschte. Das könnte ihm einen entscheidenden Vorteil gegenüber seinem Vorgänger Homo erectus verschafft haben, denn der, das haben bisherige Studien gezeigt, war wohl eher der bodenständige Typ, der das Umfeld seiner Höhle nur selten verließ - es sei denn, gravierende Umweltveränderungen zwangen ihn dazu, sich eine neue Bleibe zu suchen.
Professor Henshilwood und seine Kollegen sind auch der Frage nachgegangen, warum Klipdrift Shelter irgendwann aufgegeben wurde. Denn die Spuren menschlicher Besiedlung reißen vor etwa 59.000 Jahren ab und die letzten dort gefundenen Steinwerkzeuge sind deutlich schlichter als die aus den Jahrtausenden davor.
Die südafrikanischen Forscher glauben anhand der verwendeten Werkzeug-Technologien einen langsamen Niedergang zu erkennen, dessen erste Symptome sich schon früh abzeichneten. Sie schließen ein abruptes Ende durch eine Klimakatastrophe aus.

Rätselhafter Untergang einer Kultur

Der Niedergang der fortschrittlichen südafrikanischen Werkzeug-Kultur und ihre Ersetzung durch "pre-modern Technology" beschäftigt die südafrikanischen Forscher schon seit Jahrzehnten. Bereits im Jahr 2001 schrieb die Archäologie-Professorin Lyn Wadley: "Es ist schwer zu erklären, warum eine moderne Technologie, die für modernes menschliches Verhalten steht, plötzlich von einer viel schlichteren Technologie abgelöst wird."
Vielleicht erging es dem frühen Homo sapiens in Südafrika ähnlich wie den Europäern, nachdem das römische Reich zusammengebrochen war. Viel Wissen und Technologie ging verloren und man kehrte zu einem deutlich schlichteren Lebensstil zurück. Dass Zivilisationen aufblühen und wieder verwelken, scheint ein Muster zu sein, das die gesamte Menschheitsgeschichte durchzieht.
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EVOLUTION & MEINUNG

Je unwahrscheinlicher, aus statistischer Sicht, ein Vorgang ist, desto weniger können wir annehmen, dass er durch blinden Zufall geschah.
Richard Dawkins

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