HOMO SAPIENS
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Der Homo sapiens ist ein Patchwork aus vielen Menschenformen

Der Homo sapiens ist ein Patchwork aus vielen Menschenformen
Die modernen Merkmale des Homo sapiens sollen sich getrennt voneinander in verschiedenen Regionen Afrikas entwickelt haben.
Grafik: © Yasmine Gateau, Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte
Der moderne Mensch Homo sapiens, der sich vor etwa 300.000 bis 200.000 Jahren in Afrika entwickelte, stammt nicht von einer kleinen, isolierten Gründerpopulation ab, sondern ist durch die Vermischung zahlreicher lokal verstreuter Menschengruppen entstanden, die allesamt bereits "moderne" Merkmale entwickelt hatten, bevor sie zum Homo sapiens verschmolzen.
So lautet das Ergebnis einer im Fachmagazin "Ecology and Evolution" veröffentlichten Studie eines wissenschaftlichen Expertenteams, das von Eleanor Scerri geleitet wurde, die an der Universität Oxford und am Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena tätig ist.

Der Homo sapiens entstand durch Vermischung

Sowohl Werkzeugfunde als auch Fossilien und genetische Studien erzählen inzwischen eine ähnliche Geschichte, sagen die Forscher. Und die handelt nicht von einem kleinen Stamm, der irgendwo in Afrika zum modernen Menschen wurde, sondern von einem breiten Vermischungszenario mehrerer Populationen.
"Wenn wir das Erscheinungsbild der menschlichen Knochen in den letzten 300.000 Jahren betrachten, dann sehen wir eine komplexe Mischung aus archaischen und modernen Merkmalen an verschiedenen Orten und zu unterschiedlichen Zeiten", sagt Ko-Autor Chris Stringer. "Wir sehen einen kontinent-weiten Trend zu anatomischen Merkmalen des modernen Menschen, aber verschiedene Merkmale treten an verschiedenen Orten zu unterschiedlichen Zeiten auf, und einige archaische Merkmale existierten noch bis vor Kurzem."
Ein ähnlicher Trend ist in den genetischen Studien zu erkennen. Ko-Autor Mark Thomas: "Die genetischen Muster, die wir heute in Afrikanern sehen, und die DNA aus den Skelettresten von Menschen, die in den letzten 10.000 Jahren in Afrika gelebt haben, lassen sich kaum mit einer einzigen menschlichen Urbevölkerung in Einklang bringen."

Die Anatomie des Homo sapiens ist Patchwork

Nach Ansicht der Forscher zeigt ein "Patchwork" verschiedener Fossilien, Artefakte und Lebensräume in ganz Afrika, dass der Homo sapiens durch die Interaktion und Vermischung mehrerer lose miteinander verbundener Bevölkerungsgruppen entstanden ist, die damals über den gesamten Kontinent verteilt waren.
Nach Ansicht der Forscher durchlebten diese Menschen immer wieder Phasen der Isolation, was zu einer lokalen Anpassung und der Entwicklung einer eigenen materiellen Kultur und eigenen biologischen Merkmalen führte. Doch dazwischen gab es regelmäßig Phasen, in denen sich diese "Stämme" genetisch und kulturell vermischt haben. Und das Ergebnis war der Homo sapiens.
Studienleiterin Eleanor Scerri: "Die Entwicklung der menschlichen Bevölkerung in Afrika war multiregional. Unsere Abstammung war multiethnisch. Und die Entwicklung unserer materiellen Kultur war multikulturell."
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