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Der Neandertaler ist gar nicht ausgestorben. Er lebt in uns weiter

Der Neandertaler ist gar nicht ausgestorben. Er lebt in uns weiter
Der Homo sapiens hat den Neandertaler nicht ausgerottet, sondern integriert, sagt Genetiker Svante Pääbo in der britischen Sunday Times.
Foto: © Frank Vinken, MPI
EINEIIGE VETTERN Eine offizielle Veröffentlichung gibt es noch nicht. Aber wie mehrere britische Medien (u.a. die Sunday Times) berichten, kommen die Paläo-Genetiker des Max Planck Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig in einer neuen Studie zu dem Ergebnis, dass der moderne Mensch Homo sapiens den Neandertaler nicht ausgerottet oder verdrängt, sondern ihn genetisch assimiliert hat.
Mit anderen Worten: Der Neandertaler ist gar nicht ausgestorben, sondern im Genpool des Homo sapiens aufgegangen. Wäre der Neandertaler nicht mit dem aus Afrika einwandernden Homo sapiens ins Bett gestiegen und hätte er keinen Nachwuchs mit ihm gezeugt, dann könnte es ihn heute noch geben.

Die Hälfte des Neandertaler-Genoms existiert noch - in uns

Im Sunday Times Artikel wird Max Planck Direktor Svante Pääbo mit den Worten zitiert: "Das bedeutet, dass die Neandertaler integriert wurden. Das ist der Grund, warum so viele ihrer Gene in modernen Europäern weiterleben."
Nimmt man alle Neandertaler-Gene zusammen, die man bislang im Erbgut moderner Menschen gefunden hat, dann sind es laut Pääbo 15.000 verschiedene Gene. "Damit läuft die Hälfte ihres Genoms noch in heutigen Menschen herum", so Pääbo.

Menschen mit Neandertaler-Schädel

In diesem Zusammenhang verweist die Sunday Times auf eine relativ unbekannte Studie aus dem Jahr 2017, die von Michael Gregory vom US National Institute of Mental Health geleitet wurde. Gregory und sein Team haben sich den Anteil von Neandertaler-DNA bei modernen Menschen angeschaut und ihn mit der Anatomie dieser Menschen verglichen.
Dabei stellten die US-Forscher fest, dass Menschen mit einem hohen Anteil Neandertaler-DNA einen Schädelbau besitzen, der dem des Neandertalers ähnlich ist. Falls also Sie - ja Sie - kräftige Überaugenwülste und ein langgezogenes Schädeldach besitzen, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass einer ihrer Vorfahren ein Neandertaler war.

Kehrt der Neandertaler als Klon zurück?

Doch zurück zu Pääbo und seiner Theorie. Sollten die Leipziger Genetiker recht haben, dann können wir dutzende Theorien darüber, warum der Neandertaler ausgestorben ist, vergessen und aus der Fachliteratur streichen. Der Neandertaler ist nämlich gar nicht ausgestorben, sondern hat sich mit dem aus Afrika einwandernden Homo sapiens zu einer neuen Menschenform vermischt - nennen wir sie mal Homo fifty-fifty.
Doch seither sind 40.000 Jahre ins Land gegangen. Und viel ist nicht übrig geblieben von der Neandertaler-DNA im Homo sapiens. Ihr Anteil liegt bei heutigen Europäern nur noch bei 2 bis 4 Prozent. Verantwortlich dafür sind der weltweite Genfluss zwischen den verschiedenen Homo sapiens-Populationen und dass die Evolution viele Neandertaler-Gene wieder ausgemerzt hat, weil sie für den modernen Menschen schädlich waren.
Der Neandertaler schlummert also noch ins uns. Und erst wenn sein letzten Gen aus unserem Erbgut verschwunden ist, wird er wirklich ausgestorben sein. Es sei denn, die Genetiker holen ihn als Klon zurück - was aus heutiger Sicht gar nicht mal so unwahrscheinlich ist.
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