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Der Homo sapiens kam erst spät. Und dann killte er die großen Tiere

Der Homo sapiens kam erst spät. Und dann killte er die großen Tiere
Der moderne Mensch hat Madagaskar erst vor 2350 Jahren erreicht, sagen australische Forscher. Es gab keine frühe Besiedlung vor 5000 oder 10.000 Jahren.
Foto: © Anderson et al.
Britische Forscher kamen vor einigen Wochen nach der Analyse eines Elefantenvogel-Knochens zu dem Ergebnis, dass die Insel Madagaskar schon vor 10.000 Jahren von modernen Menschen besiedelt wurde. Und damit kann der Homo sapiens nicht für das Aussterben aller großen Säugetiere vor 2000 Jahren verantwortlich gewesen sein. Doch Wissenschaftler der Australischen National Universität widersprechen jetzt dieser Theorie.
Die ältesten direkten Hinweise für die Anwesenheit des Homo sapiens auf der ostafrikanischen Insel sind nur 2500 Jahre alt. Es handelt sich um Werkzeuge aus Hornstein und verkohlte Überreste von Feuerstellen. Doch es gibt 5000 bis 10.000 Jahre alte Tierknochen, die nach Ansicht vieler Forscher Spuren von Werkzeuggebrauch aufweisen.

Fossile Knochen falsch interpretiert

Atholl Anderson und seine Kollegen von der Australischen National Universität haben sich 1787 Tierknochen, die angeblich Schnittmarken aufweisen, noch einmal angeschaut. Darunter viele Tierarten, die möglicherweise durch den Homo sapiens ausgerottet wurden - Nilpferde, Riesenlemuren, Elefantenvögel, Riesenschildkröten. Außerdem haben sie an drei Orten im Südwesten Madagaskars neues Knochenmaterial gesammelt.
Die australischen Forscher kommen im Fachmagazin PLOS ONE zu dem Ergebnis, dass alle vermeintlichen Schnittmarken, die älter als 2200 Jahren sind, nicht von Menschen stammen, sondern andere Ursachen haben - z.B. Tierbisse, Wurzelätzung, Beschädigungen durch die Ausgrabung.
Anderson und seine Kollegen argumentieren, dass es keine frühe Besiedlung der Insel gab und dass der moderne Mensch Madagaskar erst vor etwa 2350 Jahren erreicht hat. Und das deckt sich wieder mit den direkten Hinweisen für die Anwesenheit des Homo sapiens.
Mit anderen Worten: Anderson und Co. bescheinigen ihren Kollegen, die fossilen Tierknochen falsch interpretiert zu haben. Es gab keine frühe Besiedlung der Insel vor 5000 oder 10.000 Jahren und keine Jahrtausende andauernde Koexistenz mit den Großsäugern.

Der Homo sapiens hat die Megafauna verspeist

Die Diskussion um die Anwesenheit des modernen Menschen auf Madagaskar ist insofern von Belang, weil die Megafauna der Insel - also alle großen Tiere - vor etwa 2000 Jahren ausgestorben ist. Und man verdächtigt den modernen Menschen Homo sapiens, all diese Tierarten gejagt und ausgerottet zu haben.
Zuletzt kamen mehrere Studien zu dem Ergebnis, dass der moderne Mensch Madagaskar schon vor 5000 oder 10.000 Jahren erreicht hat. Und das rüttelte an der Theorie, dass der Homo sapiens für die große Aussterbewelle verantwortlich war. Man müsse jetzt nach anderen Ursachen suchen, hieß es.
Sollten die australischen Forscher recht haben, dann erreichte der moderne Mensch Madagaskar erst vor 2350 Jahren. Und es dauerte anschließend nur 350 Jahre, bis alle großen Säugetiere verschwunden waren. Womit wieder alle Fakten zueinander passen. Die Megafauna von Madagaskar verschwand wahrscheinlich in den Kochtöpfen des Homo sapiens. Und man darf annehmen, dass es überall auf der Welt ähnlich lief. Wo auch immer der moderne Mensch aufkreuzte, da gab es ein großes Schlachtfest.
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