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Die Hobbits aßen Riesenratten und wurden von Riesenvögeln gejagt

Die Hobbits aßen Riesenratten und wurden von Riesenvögeln gejagt
Der Homo floresiensis hatte ein paar ungewöhnliche Mitbewohner - Zwergelefanten, Riesenratten und gefährlich große Störche.
Foto: © Wikimedia, Public Domain
Während die Experten noch darüber streiten, ob der Homo floresiensis ein inselverzwergter Homo erectus war oder von einer uralten Menschenform wie Homo habilis abstammt, versuchen andere Forscher herauszufinden, wie das alltägliche Leben der Zwergmenschen von der indonesischen Insel Flores aussah.
Wie haben die "Hobbits" gelebt? Wovon haben sie sich ernährt? Und warum sind sie vor 60.000 Jahren ausgestorben? Paläontologen haben in den Fundschichten, in denen man die Fossilien von Homo floresiensis gefunden hat, ein paar bemerkenswerte Entdeckungen gemacht.

Die Hobbits jagten Riesenratten und Flughunde

Lange dachte man, dass die Hobbits vor allem Zwergelefanten gejagt haben, um ihren Fleischbedarf zu decken. Doch waren die nur 1 Meter kleinen und schmächtigen Zwergmenschen dazu überhaupt in der Lage? Elizabeth Grace Veatch von der amerikanischen Emory University hat sich die Überreste von Beutetieren angeschaut und kommt zu einem überraschenden Ergebnis. Wie es aussieht, standen vor allem Riesenratten und Flughunde (große Fledermäuse) auf dem Speiseplan der kleinen Urmenschen.
Allerdings hat die Paläontologin auch Werkzeugspuren auf den Knochen einer kleineren Rattenart gefunden. Und solche kleinen, wendigen Tiere zu jagen, erfordert spezielle Techniken. Elizabeth Grace Veatch vermutet, dass der Homo floresiensis dafür Fallen oder Netze nutzte. Die Hobbits könnten also trotz ihrer winzig kleinen Gehirne (380 ccm) durchaus clever gewesen sein.
Allerdings räumt Elizabeth Grace Veatch ein, dass die meisten Ratten von Vögeln gefressen wurden. Und einer von denen war riesig und könnte sogar für den indonesischen Zwergmenschen gefährlich gewesen sein.

Dieser Vogel könnte Hobbits gejagt haben

Der Homo floresiensis hatte einen gefiederten Nahrungskonkurrenten. Zu diesem Ergebnis kommen Hannecke Meijer von der Universität Bergen und ihr indonesischer Kollege Rokus Awe. Es handelte sich um einen Storchenvogel mit dem wissenschaftlichen Namen Leptoptilos robustus. Und dieser fleischfressende Vogel war - verglichen mit den Hobbits - ein Gigant.
Leptoptilos robustus, der wie die Hobbits heute ausgestorben ist, konnte 1,80 Meter groß werden und brachte locker mal 15 Kilogramm auf die Waage. Damit war er fast doppelt so groß wie der Homo floresiensis (1 Meter) und zweifellos in der Lage, 40 Zentimeter lange und 6 Kilogramm schwere Riesenratten zu erlegen.
Allerdings vermuten Hannecke Meijer und Rokus Awe, dass der Leptoptilos robustus auch Jagd auf Zwergmenschen gemacht hat - obwohl es dafür bislang keine fossilen Beweise gibt. Zumindest die Kinder von Homo floresiensis wären für den "Terrorvogel" Indonesiens leichte Beute gewesen.

Ist der Hobbit gar nicht ausgestorben?

Nach wie vor ist unklar, warum der Homo floresiensis vor 60.000 Jahren ausgestorben ist. Möglicherweise gab es eine Klimaveränderung und ihm gingen die Ratten, Flughunde und Zwergelefanten aus. Es gibt aber auch Forscher, die glauben, dass der Homo sapiens dafür verantwortlich war, als er die Insel besiedelte.
Die Ausrottungstheorie ist umstritten, denn zwischen dem Aussterben des Homo floresiensis und der Ankunft des Homo sapiens klafft nach heutigem Wissensstand eine Lücke von 15.000 Jahren. Allerdings hat man inzwischen einige Steinwerkzeuge ausgegraben, die nur 50.000 Jahre alt sein sollen. Sollte sich das Alter dieser Funde bestätigen und sollten diese Werkzeuge noch vom Homo floresiensis stammen, dann würde sich die zeitliche Lücke deutlich verkleinern.
Vielleicht ist der Homo floresiensis auch gar nicht ausgestorben. Bis heute erzählen sich die Menschen auf der Insel Flores Geschichten über ein kleinwüchsiges Volk, das sie Ebu Gogo nennen. Übersetzt heißt das "Die Großmutter, die alles isst". Und einige dieser kleinen Menschen sollen heute noch in abgelegenen Urwaldgebieten leben. Der kanadische Anthropologe Gregory Forth glaubt natürlich nicht daran, aber er hält solche Geschichten für eine "kulturelle Erinnerung" aus grauer Vorzeit. Sind sich Hobbit und Homo sapiens also doch begegnet?
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