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Die Hobbits sind durch einen Vulkanausbruch ausgestorben

Die Hobbits sind durch einen Vulkanausbruch ausgestorben
3-D-Modell des Hobbit-Schädels LB1. Er wurde von Spezialisten für das Open Source Projekt "Die vielen Gesichter der Menschheit" virtuell rekonstruiert.
Foto: © Cicero Moraes et al , CC BY-SA 4.0 Lizenz
ENDZEIT AUF FLORES Der geheimnisvolle Zwergmensch Homo floresiensis ist vor 50.000 Jahren ausgestorben. Und zwar zusammen mit drei großen Tierarten, die damals auf der indonesischen Insel Flores gelebt haben. Dazu gehören der Zwergelefant Stegodon florensis insularis, der Riesengeier Trigonoceps spec. und der Riesenmarabu Leptoptilos robustus.
Das hat ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Thomas Sutikna von der australischen Universität Wollongong herausgefunden. Die Wissenschaftler haben sowohl die geologischen Schichten in der Fundhöhle Liang Bua als auch Fossilfunde und Werkzeugartefakte aus den letzten 190.000 Jahren neu analysiert.

Vier große Spezies starben gleichzeitig aus

Die ältesten Fossilien, die man bislang vom "Hobbit" gefunden hat, sind etwa 100.000 Jahre alt, schreiben die Forscher in ihrer Studie. Die jüngsten Fossilien stammen aus der Zeit vor 60.000 Jahren. Allerdings lassen Werkzeugfunde, die man dem Homo floresiensis zuschreibt, vermuten, dass er noch 10.000 Jahre länger gelebt hat - also bis vor etwa 50.000 Jahren.
Vor 50.000 Jahren verschwanden allerdings nicht nur die Hobbits von der Insel Flores, sondern auch die Zwergelefanten, die Riesenmarabus und eine noch nicht genau bestimmte Geierart. Dass vier so große und bis dato erfolgreiche Spezies zum gleichen Zeitpunkt ausstarben, lässt darauf schließen, dass es damals zu einem dramatischen Naturereignis gekommen sein muss, das die Ökologie der Insel grundlegend verändert hat, sagen die Forscher.

Ein Vulkanausbruch hat die Inselwelt verändert

Thomas Sutikna und seine Kollegen vermuten, dass vor etwa 50.000 Jahren auf der Insel Flores - oder einer der umliegenden Inseln - ein Vulkan ausgebrochen ist. Die Aschewolken verdunkelten den Himmel und veränderten das Klima. Das Ökosystem auf der Insel Flores veränderte sich.
Wahrscheinlich starb der Zwergelefant als erstes aus, sagen die Forscher. Und das hatte dramatische Folgen für die Hobbits, denn man nimmt an, dass er ihnen als Hauptnahrungsquelle diente. Dass es auch die Riesenmarabus und die Riesengeier erwischte, könnte daran liegen, dass sie Aasfresser waren und ebenfalls nur noch wenig Nahrung fanden.

Und dann kam der Homo sapiens

Vor etwa 50.000 Jahren verschwanden auch die Steinwerkzeuge der Hobbits, sagen die Forscher. Allerdings tauchten vor 46.000 Jahren neue Werkzeug-Artefakte auf. Die bestanden aber nicht mehr aus Lavagestein, wie es die Hobbits genutzt hatten, sondern aus Feuerstein - eine deutlich modernere Technologie.
Dafür gibt es zwei mögliche Erklärungen, sagen Thomas Sutikna und sein Team. Entweder besiedelten auf anderen Inseln lebende Hobbits, die über eine andere Werkzeugtechnologie verfügten, die Insel Flores ein zweites mal oder - deutlich wahrscheinlicher - der moderne Mensch Homo sapiens erreichte Flores.
Ob sich letzte Vertreter der Hobbits und Homo sapiens noch begegnet sind, darüber kann man zurzeit nur spekulieren. Immerhin liegen zwischen der Ankunft des modernen Menschen und dem Verschwinden des Homo floresiensis 4000 Jahre. Doch ausschließen kann man es nicht. Der Fossil- und Werkzeugbestand ist bekanntlich lückenhaft und neue Funde könnten diese zeitliche Lücke noch schließen.
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EVOLUTION & MEINUNG

Die darwinistische Erklärung dafür, warum Lebewesen das, was sie tun, so gut können, ist sehr einfach. Sie sind gut durch die angehäufte Klugheit ihrer Vorfahren.
Richard Dawkins

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