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Das Klima gab der Evolution des Menschen einen kräftigen Schub

Das Klima gab der Evolution des Menschen einen kräftigen Schub
Ein Forscherteam der Universität Arizona hat Sedimentkerne aus dem Magadisee in Kenia untersucht und das Klima vor 575.000 rekonstruiert.
Foto: © Anne Billingsley
Was hat den archaischen Urmenschen zum modernen Menschen gemacht? Es war die Anpassung an ein zunehmend trockeneres, aber gleichzeitig wechselhaftes Klima in Ostafrika, sagen Forscher der Universität Arizona, die Sedimentschichten aus dem Magadisee in Kenia ausgewertet haben.
Die Bohrkerne aus dem See, der sich in einem Ausläufer des Ostafrikanischen Grabens befindet, belegen nach Ansicht der Forscher zum ersten mal eindeutig, dass vor 575.000 eine Klimaveränderung begann, die 200.000 Jahre andauerte und den Lebensraum des Menschen so nachhaltig veränderte, dass er sich diesem Klimawandel anpassen musste. Und das Ergebnis dieser evolutionären Anpassung war eine neue Menschenform, die sich in vielerlei Hinsicht von ihren Vorfahren unterschied.

Technologiewandel vor 500.000 Jahren

Die Steinwerkzeuge, die man in der Nähe des Sees gefunden hat, haben sich in der Zeit vor 1,2 Millionen bis vor 500.000 Jahren so gut wie nicht verändert, schreiben die Forscher in ihrer Studie. Doch dann folgte ein Zeitraum, in dem es plötzlich zu einer auffälligen "Modernisierung" kam. Das Werkzeug-Repertoir wurde anspruchsvoller und war plötzlich höher entwickelt. Außerdem belegen menschliche Fossilien, dass das Gehirnvolumen wuchs, was wahrscheinlich zu einem komplexeren Denken führte.
"Es wird schon lange vermutet, dass es eine Verbindung zwischen dem damaligen Klima und diesen Veränderungen gab. Aber bislang fehlten dafür detaillierte Umweltaufzeichnungen", sagt Richard Owen. "Zwischen den letzten frühsteinzeitlichen Werkzeugen vor 500.000 Jahren und dem Auftreten der Werkzeuge der mittleren Steinzeit vor etwa 320.000 Jahren klaffte eine große Lücke. Unsere Ergebnisse haben diese Lücke nun geschlossen."

Das Klima wurde trockener und wechselhafter

Die Bohrkerne aus dem Magadisee belegen zuverlässig, dass vor 575.000 Jahren in Ostafrika eine nachhaltige Klimaveränderung einsetzte, so das Forscherteam, das von Professor Andrew Cohen von der Universität Arizona geleitet wurde. Die Region wurde im Laufe der Jahrtausende immer trockener.
Allerdings wurde die Austrocknung immer wieder von kurzen Klimaperioden unterbrochen, in denen es zu starken Niederschlägen kam - eine zusätzliche Herausforderung für die Menschen, die damals in der Region lebten. Sie mussten mit sehr wechselhaftem Wetter zurechtkommen.
"Das passt alles zusammen", argumentiert Richard Owen. "Die Werkzeug-Technologie und die Säugetierfauna änderten sich exakt zu jener Zeit, als sich das Klima veränderte."

Starker evolutionärer Druck

Das zunehmend trockenere, aber gleichzeitig unberechenbare Wetter muss einen starken evolutionären Druck auf die menschlichen Populationen ausgeübt haben, die vor 500.000 Jahren in Ostafrika gelebt haben, sagen Cohen und Owen. Die Menschen mussten flexibler werden und kreativer denken, um zu überleben. Und dieser evolutionäre Druck führte im Laufe der Jahrtausende zu einer neuen Menschenform, die sich mehr und mehr von ihren archaischen Vorfahren unterschied.
Ob es sich bei diesen "neuen Menschen" bereits um Frühformen des modernen Menschen Homo sapiens handelte oder um Übergangsformen, die viele Forscher als Homo heidelbergensis bezeichnen, ist in der Fachwelt umstritten.
Fest steht nur: In der Zeit vor 500.000 bis 300.000 Jahren haben sich sowohl die Anatomie als auch die Verhaltensweisen des Menschen stark verändert. Er wurde schlauer, lebte in größeren Gruppen zusammen und nutzte modernere Werkzeuge und Waffen. Der Anthropologe Richard Dunbar von der Universität Oxford ist sogar davon überzeugt, dass damals die erste komplexe Sprache entstand.
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EVOLUTION & MEINUNG

Es wird ja fleißig gearbeitet und viel mikroskopiert, aber es müsste mal wieder einer einen gescheiten Gedanken haben.
Rudolf Virchow

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