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Unsere Gehirne sind geschrumpft. Werden wir dadurch dümmer?

Unsere Gehirne sind geschrumpft. Werden wir dadurch dümmer?
Der gewaltige Schädel eines Cro Magnon Menschen. Sein Gehirn war deutlich größer als das eines heutigen Menschen. Werden wir wieder dümmer?
Symbolbild
Das wichtigste Werkzeug des Menschen ist sein Gehirn. Es verleiht ihm Intelligenz, Kreativität und soziale Kompetenz. Doch nachdem unser Denkorgan zwei Millionen Jahre lang gewachsen ist, scheint es seit 28.000 Jahren zu schrumpfen. Ein schlechtes Zeichen? Und woran liegt das?
Die ersten, die das festgestellt haben, waren Anthropologen des Französischen Museums für Naturgeschichte in Paris. Antoine Balzeau und seine Kollegen stellten nach der virtuellen Rekontruktion eines Cro Magnon-Schädels fest, dass die Gehirne dieser frühen modernen Menschen, die während der Eiszeit in Europa gelebt haben, etwa 20 Prozent größer waren als die Gehirne heutiger Menschen. Und seither sucht man nach einer Erklärung für diesen ungewöhnlichen Trend.

Vier Millionen Jahre Hirnwachstum

Schaut man sich die Evolution des menschlichen Gehirns in den letzten 4 Millionen Jahren an, dann stellt man fest, dass es ständig gewachsen ist. Der Australopithecus hatte ein Hirnvolumen von 450 bis 500 ccm, was nur ein wenig größer als das Gehirn eines Schimpansen ist. Es folgten Homo Habilis (600 ccm) und Homo Rudolfensis (750 ccm).
Der frühe Homo erectus brachte es schon auf 900 ccm und der Homo heidelbergensis auf 1200 bis 1300 ccm. Die bislang größten Gehirne hatten der Cro Magnon Mensch (früher Homo sapiens) und der Neandertaler. Ihre Gehirne weisen ein Volumen zwischen 1450 und 1550 ccm auf.
Im Vergleich zu Cro Magnon Mensch und Neandertaler nehmen sich die Gehirne heutiger Menschen eher bescheiden aus. Sind sind - je nach Individuum - zwischen 15 und 20 Prozent kleiner. Das Durchschnittsvolumen des menschlichen Gehirns beträgt heute nur noch 1350 ccm.

Warum wurde das Gehirn wieder kleiner?

Entwicklungsgeschichtlich betrachtet bewegt sich das Gehirnvolumen des heutigen Menschen wieder auf dem Niveau, das der Mensch schon vor 500.000 bis 300.000 Jahren erreicht hatte. Und da stellt sich natürlich die Frage, ob es sich dabei um einen degenerativen Prozess handelt, der unsere intellektuelle Leistungsfähigkeit beeinträchtigt. Oder einfach mal gerade heraus gefragt: Wird der Mensch dümmer?
Die Forscher haben sich natürlich mehrere Theorien ausgedacht, um unsere "Schrumpfköpfe" er erklären, ohne an unserem Status als Krone der Schöpfing zu kratzen. So heißt es, dass unsere Gehirne heute effektiver organisiert sind, so dass sie nicht mehr soviel Platz brauchen. Beliebt ist auch die Theorie, dass unsere Schädel geschrumpft sind, weil wir durch weichere Nahrung nicht mehr so viel kauen müssen. Dadurch sind die Kiefer und der Kopf kleiner geworden und das Gehirn hat sich diesem Prozess angepasst.

Weniger Instinkt und mehr Verstand?

Vielleicht gibt es auch eine viel einfachere Erklärung. Schon Antoine Balzeau und seine Kollegen kamen in ihrer 2010 veröffentlichten Studie zu dem Ergebnis, dass einige Teile des heutigen Gehirns größer sind als beim Cro Magnon Menschen - zum Beispiel das Kleinhirn, das wichtig für die Koordination, die Planung und das Lernen ist.
Andere Bereiche des Gehirns scheinen dagegen geschrumpft zu sein - zum Beispiel das zentrale Nervensystem im Großhirn, das die Informationen unserer Sinnesorgane verarbeitet und die unbewussten Körperfunktionen steuert. Und da das Großhirn - nomen es omen - der größte der fünf Hirnbereiche ist, könnte seine Verkleinerung erklären, warum heutige Gehirne 20 Prozent kleiner sind als vor 28.000 Jahren.
Salopp könnte man sagen: Die Bereiche des Gehirns, die für bewusste Denkvorgänge zuständig sind, sind größer geworden. Andere Bereiche, die unbewusste Körperfunktionen steuern, sind geschrumpft. Wir sind vom Instinkt- zum Kopfmenschen geworden. Aber auch das ist nur eine Theorie.

Der Mensch wird von Generation zu Generation dümmer

Bleibt die Frage, ob unsere Vorfahren schlauer waren als wir. Fest steht: Es gibt einen signifikanten Zusammenhang zwischen Gehirnvolumen und Intelligenz. Große Gehirne sind schlauer als kleine. Die Unterschiede sind nicht so groß, wie man lange dachte, aber es gibt sie.
Wenig ermutigend sind in diesem Zusammenhang mehrere neue Studien, die allesamt zu dem Ergebnis kommen, dass der durchschnittliche Intelligenz-Quotient des Menschen sinkt. Jede neue Generation ist ein bisschen dümmer als die vorherige. Im Schnitt um 7 IQ-Punkte.
Wohin das in den nächsten Jahrzehnten führt, kann sich jeder ausrechnen. Der Homo sapiens (weiser Mensch) ist auf dem Weg zum Homo stultus (dummer Mensch). Doch zum Glück gibt es inzwischen Computer und Algorithmen, die uns das Denken abnehmen.
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EVOLUTION & MEINUNG

Wir sind, um es einmal so zu formulieren, eigentlich nur die Neandertaler von morgen.
Hoimar von Ditfurth

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