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Haben die Jäger der Eiszeit auch das Einhorn ausgerottet?

Haben die Jäger der Eiszeit auch das  Einhorn ausgerottet?
So könnte das Sibirische Einhorn ausgesehen haben. Und sollten russische Forscher mit ihrer Datierung richtig liegen, dann hat es noch vor 29.000 Jahren gelebt.
Foto: © Heinrich Harder
Wo wir gerade beim Ausrotten sind (siehe Artikel: Speere und Osteoporose besiegelten das Schicksal des Mammuts) ... vielleicht hat der moderne Mensch Homo sapiens nicht nur das Mammut auf dem Gewissen, sondern auch das Einhorn. Russische Forscher haben nämlich festgestellt, dass vor 29.000 Jahren noch Einhörner gelebt haben.
Einhörner? Ja, sie lesen richtig. Allerdings sprechen wir hier nicht über das Fabelwesen, sondern über das Sibirische Einhorn - Elasmotherium sibiricum. Und das hatte mit den weißen Pferdchen aus unseren Märchen wenig zu tun. Das Sibirische Einhorn ähnelte mehr einem Nashorn, war aber definitiv eine eigene Gattung. Und bislang dachte man, dass diese Tiere schon vor 120.000 Jahren ausgestorben sind. Doch das scheint falsch zu sein.

Einhorn-Schädel ist nur 27.000 bis 29.000 Jahre alt

Bislang hat man kein vollständiges Skelett eines Sibirischen Einhorns finden können. Die meisten Fossilien bestehen nur aus einzelnen Knochen oder Zähnen. Daher weiß man nicht genau, wie die Tiere aussahen. Allerdings nimmt man an, dass sie vier Meter lang wurden und eine Schulterhöhe von zwei Metern hatten. Und sie sollen während der letzten Warmzeit (Eem, 125.000 - 115.000 Jahre) ausgestorben sein.
Doch das scheint nun vom Tisch. Russische Paläontologen haben im Grenzgebiet zwischen Sibirien und Kasachstan einen außergewöhnlich gut erhaltenen Einhorn-Schädel ausgegraben. Und der wurde auf ein Alter von nur 27.000 bis 29.000 Jahren datiert.
Sollte diese Datierung stimmen, dann streifte dieses Einhorn noch durch die sibirischen Steppen, als dort bereits eiszeitliche Jäger der Marke Homo sapiens nach saftigen Steaks Ausschau hielten. Und damit liegt der Verdacht nahe, dass der moderne Mensch nicht nur Mammut und Kollegen (Pleistozäne Aussterbewelle), sondern auch das Einhorn ausgerottet hat.

Wie entstand die Legende vom Einhorn?

Schon seit Jahrzehnten wird darüber spekuliert, ob das Sibirische Einhorn der Ursprung der Legende vom Fabel-Einhorn sein könnte. Berichte über einhornige Tiere finden sich nämlich in den Überlieferungen mehrerer ostsibirischer Völker und in der Indus-Kultur. Auch auf einigen Höhlenmalereien kann man Tiere mit nur einem Horn erkennen. Allerdings wird vermutet, dass es sich dabei um Auerochsen handelt, deren zweites Horn aus perspektivischen Gründen weggelassen wurde.
Inzwischen gibt es einen neuen, zeitgeistigen Erklärungsansatz für die Legende vom Einhorn. Danach soll es sich um Mutanten handeln. In der italienischen Toskana ist nämlich ein Rehbock mit nur einem Horn in der Mitte seiner Stirn gesichtet worden. Und Gilberto Tozzi, Direktor des Centro di Scienze Naturali in Prato, erklärte danach der Presse: "Das ist der Beweis, dass das legendäre Einhorn wirklich existiert haben könnte. Wahrscheinlich sind auch in vergangenen Zeiten schon Tiere mit dieser genetischen Anomalie geboren worden."

Menschlicher Overkill

Doch zurück zum sibirischen Einhorn. Der nur 27.000 bis 29.000 Jahre alte Fund beweist mal wieder, wie lückenhaft der Fossilbestand ist. Wir kennen nur wenige Einzelteile eines riesigen Puzzles. Und jeden Tag kann ein neues Fossil auftauchen, das eine weiße Stelle ausfüllt und unser Wissen über bestimmte Gattungen und Arten radikal verändert.
Das Einhorn ist nicht in der Eem-Warmzeit ausgestorben, sondern hat beinahe bis zum Ende der letzten Eiszeit durchgehalten. Und dass es genau zu dem Zeitpunkt ausgestorben ist, als die eiszeitlichen Jäger auftauchten, lässt vermuten, dass an der Overkill-Hypothese (Überjagung durch den modernen Menschen) mehr dran ist, als manche Forscher glauben.
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Die Beschaffenheit des fossilen Beweismaterials ist die gewichtigste Einrede, die man meiner Theorie entgegenhalten kann.
Charles Darwin

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