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Australopithecus und Paranthropus haben unterschiedlich gekaut

Australopithecus und Paranthropus haben unterschiedlich gekaut
Australopithecus und Paranthropus haben nicht nur unterschiedliche Nahrung gegessen, sondern auch ganz anders gekaut. Das belegt eine neue Zahn-Analyse.
Foto: © Kornelius Kupczik, MPI
Zeig mir, wie du isst, und ich sag dir, wer du bist. Unter diesem Motto hat ein internationales Forscherteam, dem auch Kornelius Kupczik vom Max Planck Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig angehörte, die oberen Backenzähne von dreißig Hominiden aus Süd- und Ostafrika computertomographisch untersucht. Und dabei haben die Forscher eine überraschende Entdeckung gemacht.

Unterschiedliche Zahnwurzeln

Bislang hat sich die paläoanthropologische Forschung vor allem darauf konzentriert, herauszufinden, was die frühen Vorfahren des Menschen gegessen haben. Waren es weiche Früchte und Gräser? Oder hartfaserige Pflanzen und Nüsse? Oder gar Fleisch? Denn die Ernährung hatte wahrscheinlich großen Einfluss darauf, wie sich Zähne, Kiefer und Schädel der frühen aufrecht gehenden Hominiden anatomisch entwickelt haben.
Die Forscher um Kornelius Kupczik kommen nach ihren Zahn-Analysen zu dem Ergebnis, dass ihre Kollegen möglicherweise einen wichtigen Faktor unterschätzt haben - nämlich die Kautechnik unserer Vorfahren und Vettern. Denn die war nach Ansicht des Forscherteams sehr unterschiedlich.
Die Zahn-Experten haben nämlich festgestellt, dass die oberen Molare (Backenzähne) einiger Hominiden sehr starken horizontalen Kräften ausgesetzt waren, während die anderer Hominiden beim Kauen nur vertikal belastet wurden. Das haben sie aus den unterschiedlich weit gespreizten Zahnwurzeln der untersuchten Fossilien herausgelesen.

Beinahe wie ein Wiederkäuer

Australopithecus africanus zum Beispiel, der vor 3,0 bis 2,2 Millionen Jahren in Südafrika lebte und als möglicher Vorfahre des heutigen Menschen gehandelt wird, besaß viel weiter gespreizte Zahnwurzeln als seine "Vettern" Paranthropus robustus und Paranthropus boisei. Dies lässt darauf schließen, dass seine Oberkiefer-Zähne einer deutlich höheren seitlichen Kau-Belastung ausgesetzt waren als die der anderen Hominiden.
Noch ungewöhnlicher präsentierten sich die Zahnwurzeln des "Nebenmenschen" Paranthropus robustus, die stark "verdreht" waren. Kornelius Kupczik und seine Kollegen deuten das als Hinweis, dass dieser Hominide beim Kauen leichte Dreh- und Hin-und-Her-Bewegungen mit dem Unterkiefer machte. Dieser Hominide aß also möglicherweise so ähnlich wie ein Wiederkäuer und zerkleinerte seine Nahrung sehr sorgfältig.

Der Kautechnik mehr Aufmerksamkeit schenken

Die Forscher kommen in ihrer Studie zu dem Ergebnis, dass die unterschiedlichen Hominiden sehr unterschiedliche Kautechniken besaßen und dass sie ihre Ober- und Unterkiefer beim Kauen von Nahrung anders nutzten. Und das hatte wahrscheinlich großen Einfluss auf ihre Schädelanatomie.
Gabriele Macho von der Universität Oxford, die an der Studie beteiligt war, zieht folgendes Fazit: "Vielleicht haben die Paläoanthropologen bislang nicht immer die richtigen Fragen gestellt. Anstatt sich ausschließlich darauf zu konzentrieren, was unsere ausgestorbenen Vettern gegessen haben, sollten wir vielleicht mehr darauf achten, wie sie ihre Nahrung gekaut haben."
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