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Australische Anthropologen wollen die Steinzeit abschaffen

Australische Anthropologen wollen die Steinzeit abschaffen
Es gibt australische Forscher, die wollen den Terminus STEINZEIT abschaffen. Er wird ihnen zu oft rassistisch gebraucht, um andere Kulturen herabzusetzen.
Foto: © Public Domain
Australische Archäologen und Anthropologen wollen die Steinzeit aus ihrem Wortschatz streichen. Sie halten den Begriff für rassistisch, weil er bis heute dazu genutzt wird, um andere Kulturen als rückständig und primitiv abzuwerten.
Die Einteilung der Menschheitsgeschichte in Steinzeit, Bronzezeit und Eisenzeit basiert auf den Werkstoffen, die der Mensch damals nutzte, um Waffen und Werkzeuge herzustellen. In der Zeit vor 2,5 Millionen Jahren bis 3000 v. Chr. war es der Stein, in den Jahren 3000 v. Chr. bis 1000 v. Chr. die Bronze und in der Zeit von 1000 v. Chr. bis zur Zeitenwende das Eisen. Danach spricht man von der Frühgeschichte.

Es ist nur eine andere, aber keine primitive Technologie

Viele australische Forscher halten diese Einteilung in Technologiestufen für überholt, denn sie impliziert, dass Völker wie die australischen Aborigines, die Ureinwohner Amerikas oder afrikanische Völker wie die San nie über die Kulturstufe der Steinzeit hinausgekommen sind.
Doch der Gedanke, der dahinter steckt, nämlich dass es eine Hirarchie der menschlichen Technologie vom einfachen Stein zum modernen Stahl gibt, ist seit den 1960er Jahren überholt, argumentieren die Forscher. Das Bild vom primitiven Steinzeitmenschen, der sich zum modernen, zivilisierten Menschen weiterentwickelt hat, ist falsch.
Steinwerkzeuge herzustellen, ist alles andere als primitiv, sagen die Forscher. Man benötigt viel Fachwissen und enorme handwerkliche Fähigkeiten, um ein Werkzeug oder eine Waffe aus Stein herzustellen. Und ganz verschwunden ist die Steinzeit-Technologie eigentlich nie. Viele Chirurgen nutzen zum Beispiel heute noch Skalpelle aus Obsidian, weil sie Stahlklingen weit überlegen sind.

Also weg mit der Steinzeit?

Wir sollten auf den Begriff Steinzeit verzichten, sagen die australischen Wissenschaftler. Völker wie die Aborigines sind keine Überbleibsel aus grauer Vorzeit. Sie haben sich genauso weiterentwickelt und ihre Technologien verbessert wie westliche Kulturen. Nur eben in einem anderen Lebensraum und mit einem anderen Werkstoff. Sie als Steinzeitmenschen zu betrachten, bei denen die Uhren seit Jahrtausenden still stehen und an denen der Fortschritt spurlos vorbeigegangen ist, vermittelt ein völlig falsches Bild, das aus dem 19. Jahrhundert stammt.
Die Forscher schlagen vor, die alte Einteilung in Steinzeit, Bronzezeit und Eisenzeit über Bord zu werfen und stattdessen die Ausbreitung der Landwirtschaft als Unterscheidungsmerkmal einzuführen. Und ironischerweise haben die australischen Ureinwohner früher damit begonnen, Getreide zu mahlen, als europäische und asiatische Kulturen. Das belegen 65.000 Jahre alte Mahlsteine, die man in der achäologischen Fundstätte Madjedbebe entdeckt hat.

Reaktionen in den Medien

Macht es also Sinn, die Steinzeit abzuschaffen? In den Kommentarspalten der australischen und britischen Medien, die über diese Pläne berichtet haben, überwiegen die negativen Kommentare. "Warum muss ich hier einen Artikel über Political Correctness lesen?". Oder: "Nur weil ein paar Leute mal inkorrekt den Begriff Steinzeit als Metapher für 'primitiv' benutzt haben, ist das noch lange kein Grund, einen wissenschaftlich präzisen Terminus abzuschaffen."
Daneben gab es auch Kommentare, die folgenden Tenor hatten: "Dann schaut euch doch einfach mal die IQ-Tests dieser Menschen an." Woraufhin ein anderer Leser schrieb: "Ein Mensch aus der Steinzeit hat uns gerade seine Meinung mitgeteilt."
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