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Arm und Reich werden sich zu zwei neuen Menschenarten entwickeln

Arm und Reich werden sich zu zwei neuen Menschenarten entwickeln
In "Die Zeitmaschine" beschreibt H. G. Wells eine zukünftige Welt mit zwei neuen Menschenarten. Werden Eloi und Morlocks eines Tages Realität?
Foto: © Warner Bros.
Erinnern Sie sich noch an den Roman "Die Zeitmaschine" von H. G. Wells? Darin reist ein Wissenschaftler in die Zukunft und muss feststellen, dass sich der Mensch in zwei neue Menschenarten aufgespalten hat. Auf der Erdoberfläche leben die hübschen, kultivierten Eloi, unter der Erde hausen die plumpen, primitiven Morlocks.
Gut möglich, dass es tatsächlich mal so kommt, sagt der britische Evolutionsforscher Dr. Oliver Curry von der Universität Oxford. Sollten sich Arm und Reich weiterhin so auseinander entwickeln wie in den letzten Jahrzehnten, dann könnte H. G. Wells' Vision aus dem Jahr 1895 Wirklichkeit werden.

Kobold-ähnliche Kreaturen

In 100.000 Jahren, so Dr. Curry, könnten sich die reichen, intelligenten, gut genährten und hochgewachsenen Mitglieder der Oberschicht auch genetisch von der Unterschicht abgespalten haben. Der simple Grund dafür lautet: Weil sich die Reichen nur noch untereinander fortpflanzen.
Das dunkle Spiegelbild dieser schönen, schlauen Oberschichtmenschen wären dann die Armen, die ebenfalls nur noch mit ihresgleichen ins Bett steigen. Sie könnten sich zu einer kleinen, dicken, plumpen und weniger intelligenten Menschenart entwickeln. Curry beschreibt sie in blumigen Worten als "hässliche, kobold-ähnliche Kreaturen".

Reiche heiraten nur noch Reiche

Marktschreierische Science Fiction? Aber sicher. Schließlich hat Dr. Curry dieses Szenario für einen privaten britischen TV-Sender entwickelt. Und der will sein Publikum natürlich unterhalten. Aber ganz von der Hand zu weisen sind Curry's Argumente nicht.
Die OECD hat zum Beispiel eine Studie veröffentlicht, nach der sich die Menschen ihren Lebenspartner fast nur noch in der gleichen sozialen Schicht suchen. Das Modell "Arzt heiratet Krankenschwester" oder "Chef heiratet Sekretärin" ist längst out, heute heiraten Ärzte Ärztinnen. Dass Frauen (oder Männer) aus der Unterschicht einen Partner aus der Oberschicht finden, wird immer seltener.

Genetische und soziale assortative Paarung

Man bezeichnet dieses Verhalten als "soziale assortative Paarung". Sie hat die "genetische assortative Paarung" (körperliche Merkmale) inzwischen fast vollständig verdrängt. Und das bedeutet für die Armen: Sie haben praktisch keine Chance mehr, in die Oberschicht einzuheiraten. Selbst wenn es sich um sympathische, attraktive und gebildete Menschen handelt. Die Gene von Arm und Reich gehen schon seit geraumer Zeit getrennte Wege.
Dieses einseitige Paarungsverhalten hat auch wirtschaftliche und gesellschaftliche Folgen, sagt Ökonomie-Professor Jeremy Greenwood von der Universität Pennsylvania. Er hat berechnet, dass die Partnerwahl innerhalb der eigenen sozialen Schicht für mehr als ein Drittel der heutigen Einkommensungleichheit verantwortlich ist. Wenn zwei Vermögen den Bund fürs Leben schließen, während auf der anderen Seite zwei leere Bankkonten heiraten, dann wächst die Kluft zwischen Arm und Reich.

Soziale Trennung und anderes Habitat

Doch zurück zu Dr. Oliver Curry und seinen zwei neuen Menschenarten. Zurück zu den "grazilen" und "robusten" Menschen, die sich in den nächsten 100.000 Jahren entwickeln werden. Zurück zu H. G. Wells' Vision von Eloi und Morlocks. Ist ein solches Szenario wirklich vorstellbar?
Durchaus. Warum nicht. Schließlich sind alle Voraussetzungen für die Entstehung neuer Arten erfüllt - wenn auch etwas anders, als wir das bislang von der Evolution kennen. Es gibt zwei Populationen, die zwar nicht regional getrennt voneinander leben, aber durch massive soziale Barrieren keinen Kontakt mehr haben. Auch das Habitat, in dem sie leben, ist ein anderes. Hier Swimmingpool, Eliteschule und Feinkostladen, dort düsterer Wohnblock, Bildungsferne und Fastfood. Gut möglich, dass es irgendwann zwei neue Menschenarten gibt - den Homo opulentus und den Homo pauperis.

Schöne neue Menschen? Vielleicht nicht

Ob sich die Reichen wirklich zu einer attraktiveren und intelligenteren Menschenform weiterentwickeln werden, wie Oliver Curry glaubt, ist allerdings nicht sicher. Schließlich haben Forscher inzwischen herausgefunden, dass die "soziale assortative Paarung" auch ihre Nachteile hat.
Im Silicon Valley zum Beispiel werden auffällig viele Autisten geboren. Die Forscher vermuten, dass es daran liegt, dass dort vor allem IT-Nerds leben und sich ausschließlich untereinander fortpflanzen. Und viele dieser Computerexperten sind bereits mit leicht austistischen Zügen ausgestattet. Es gehört sozusagen zum Berufsbild.
Außerdem wollen wir uns lieber gar nicht ausmalen, was dabei herauskommt, wenn sich skrupellose Investmentbanker und beinharte Managerinnen über mehrere Generationen paaren. Diese "Erfolgsmenschen" werden schließlich schon seit geraumer Zeit verdächtigt, gefühlskalte Psychopathen zu sein.
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