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Vor 1,5 Millionen Jahren mutierte der Mensch zum dürren Magermodel

Vor 1,5 Millionen Jahren mutierte der Mensch zum dürren Magermodel
Vor 1,5 Millionen Jahren wurde der Mensch enorm groß und schlank. Die neuen Proportionen sollen ihm geholfen haben, in der Savanne zu überleben.
Fotomontage: Jose Luis Filpo Cabana, CC BY-SA 4.0 (1); Public Domain (1) Lizenz
Vor etwa 1,5 Millionen Jahren hat sich die Statur des Menschen grundlegend verändert, sagen Forscher der britischen Universität Cambrigde. Die Menschen, die damals lebten, wurden bei gleichem Gewicht etwa 10 Zentimeter größer. Oder salopp formuliert: Der Homo erectus mutierte vorübergehend zum Magermodel.
Studienleiter Dr. Manuel Will: "Es entwickelte sich ein schlankerer Körper mit langen Beinen, schmalen Hüften und schmalen Schultern. Unsere Vorfahren durchliefen eine große, dürre Phase."

Zehn Zentimeter größer bei gleichem Gewicht

Das Forscherteam um Dr. Will hat hunderte Fossilien von Hominiden und frühen Menschenformen analysiert und daraus Körpergröße und Gewicht berechnet. Dabei stellten sie fest, dass die Hominiden vor 4 Millionen Jahren im Schnitt nur 1,20 Meter groß waren und etwa 25 Kilogramm wogen.
Das änderte sich vor 2,2 bis 1,9 Millionen Jahren, als die Gattung Homo, also der Mensch, entstand. Der Homo erectus (bzw. Homo ergaster) legte damals deutlich an Körpergewicht und Körpergröße zu. Er wurde 1,65 Meter groß und war im Schnitt 60 Kilogramm schwer.
Doch vor 1,5 Millionen Jahren kam es zu einer gravierenden Veränderung dieser Körperproportionen. Das Verhältnis zwischen Körpergröße und Körpergewicht veränderte sich. Die Menschen wurden im Schnitt 10 Zentimeter größer, ohne an Gewicht zuzulegen. Es entstand ein hochaufgeschossener, enorm schlanker Menschentyp.
Diese Magermodel-Phase dauerte rund 1 Million Jahre, so die Forscher. Dann nahm auch das Körpergewicht wieder zu. Vor 500.000 Jahren brachte der Mensch 10 bis 15 Kilogramm mehr auf die Waage, was in etwa den Körperproportionen eines heutigen Menschen entspricht.

Anpassung an die Savanne und neue Jagdmethoden

Warum kam es vor 1,5 Millionen Jahren zu diesem grazilen Körperbau? Die Forscher vermuten, dass dafür zwei Gründe verantwortlich waren. Der Mensch soll damals den Urwald verlassen und sich in der baumarmen, heißen Savanne ausgebreitet haben. Und um dort überleben zu können, musste er neue Jagdmethoden entwickeln. Eine davon war die Hetzjagd, bei der man Beutetiere über viele Kilometer verfolgt, bis sie durch ihr Fell überhitzen und erschöpft zusammenbrechen. Und für dieses Laufduell war ein hochaufgeschossener schlanker Körper perfekt geeignet.
Dass der Mensch vor 500.000 Jahren wieder deutlich an Körpergewicht zulegte und 10 bis 15 Kilogramm zunahm, führen die Wissenschaftler darauf zurück, dass der Homo erectus (bzw. Homo heidelbergensis) damals anfing, kühlere Regionen und höhere Breitengrade zu besiedeln. Und dort war es kein Vorteil mehr, wie James Stewart auszusehen. In den dichten Wäldern Europas und Asiens waren Kraft und Wendigkeit gefragt.
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