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Für Steine aus Obsidian legten die Neandertaler weite Strecken zurück

Für Steine aus Obsidian legten die Neandertaler weite Strecken zurück
Zwei nahezu identische Obsidian-Steine aus unterschiedlichen archäologischen Fundstätten und eine vulkanische Ablagerung, aus der das Obsidian stammt.
Foto: © Ekaterina V. Doronicheva et al.
KOSTBARE STEINE Die Neandertaler, die vor über 70.000 Jahren in der Kaukasus-Region gelebt haben, waren erstaunlich mobil. Sie legten hunderte Kilometer zurück, um sich Obsidian für ihre Werkzeuge zu beschaffen - oder um damit Handel zu treiben. Zu diesem Ergebnis kommt ein russisch-amerikanisches Forscherteam, das die Verbreitung von Obsidian analysiert hat.
Obsidian ist ein seltenes glasartiges Gestein, das ausschließlich bei Vulkanausbrüchen entsteht. Und weil sich die Zusammensetzung von Vulkan zu Vulkan unterscheidet, kann man sehr genau bestimmen, aus welcher Region ein bestimmtes Obsidian stammt.

Sehr scharfe Klingen aus Obsidian

Obsidian war in der Steinzeit ein kostbarer Rohstoff. Die Neandertaler nutzen es, um daraus extrem scharfe Messer und Schaber herzustellen. Denn wenn man Obsidian-Gestein zerschägt, entstehen muschelartige Bruchstücke, die über rasiermesserscharfe Ränder verfügen. Werkzeuge aus Obsidian waren anderen Werkzeugtypen aus Quarzit oder Kieselgestein deutlich überlegen - und entsprechend kostbar.
Um herauszufinden, woher die im Kaukasus lebenden Neandertaler ihren Obsidian bezogen, haben die russischen und amerikanischen Forscher Obsidian-Funde aus mehreren archäologischen Fundstätten analysiert. Und das Ergebnis war verblüffend. Fast alle nutzten den gleichen Obsidian, obwohl die Neandertaler-Höhlen zum Teil hunderte Kilometer weit auseinander lagen.

Gab es regelmäßigen Kontakt?

Da die Neandertaler im Nordwest-Kauskasus und im Zentral-Kaukasus den gleichen Obsidian nutzten, müssen sie mindestens 250 Kilometer zurückgelegt haben, um sich diesen Rohstoff zu beschaffen, schreiben die Forscher in ihrer Studie, die im Fachmagazin Journal of Archaeological Science: Reports erschienen ist.
Unklar ist noch, ob die beiden Neandertaler-Populationen zu den gleichen Obsidian-Vorkommen "gepilgert" sind, um sich Nachschub zu besorgen, oder ob sie Kontakt zueinander hatten und mit Obsidian Handel trieben. Gegen die Handels-Hypothese spricht, dass sich die kulturellen Traditionen im Zentral-Kaukasus und im Nordwest-Kaukasus deutlich voneinander unterscheiden. Hätte es regelmäßige Kontakte gegeben, dann müsste das eigentlich anders sein.
Dennoch sagt Ekaterina Doronicheva, eine der Autorinnen der Studie: "Unsere Ergebnisse belegen zuverlässig, dass Verbindungen zwischen verschiedenen Neandertaler-Populationen aus unterschiedlichen Regionen bestanden. Allerdings müssen wir noch herausfinden, wie sich damals technische Innovationen und neue Technologien verbreitet haben."
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