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PALÄO UPDATE

Was wir ganz dringend brauchen, sind Fossilien von Affe X

Was wir ganz dringend brauchen, sind Fossilien von Affe X
Wer war der letzte gemeinsame Vorfahre von Mensch und Schimpanse? Der "Last Common Ancestor" verbirgt sich im Dschungel der Urzeit.
Symbolbild
Im Stammbaum des Menschen gibt es ein Phantom. Es handelt sich um den letzten gemeinsamen Vorfahren von Mensch und Schimpanse. Die englischsprachigen Forscher nennen ihn "Last Common Ancestor" (LCA). Wir wollen ihn im Folgenden der Einfachheit halber als "Affe X" bezeichnen.
Von Affe X hat man bislang keinerlei Fossilien finden können. Man weiß weder, wann er gelebt hat, noch wo er gelebt hat, geschweige denn, wie er aussah. Dennoch muss es ihn gegeben haben. Zumindest wenn man akzeptiert, dass Mensch und Schimpanse so eng miteinander verwandt sind, wie die Forscher behaupten. Und wer Affe X findet, bekommt definitiv ein Fleißkärtchen - oder den Nobelpreis. Schließlich handelt es sich um den "Heiligen Gral der Paläoanthropologie".

Geburtsdatum kann nur geschätzt werden

Wann hat Affe X gelebt? Schwer zu sagen. Die Berechnungen der Genetiker schwanken zwischen vor 8 Millionen Jahren bis vor 5 Millionen Jahren. Es gibt sogar eine Studie, die die Aufspaltung von Mensch und Schimpanse in die Zeit vor 4,1 Millionen Jahren verortet.
Sollte das stimmen, dann müssten viele Fossilien, die man bislang für aufrecht gehende Hominiden gehalten hat (Sahelanthropus, Orrorin, Ardipithecus, Australopithecus anamensis), aus dem Stammbaum des Menschen entfernt werden. Entsprechend unpopulär ist diese Datierung. Sie wird nur selten zitiert.

Afrika oder Mittelmeerraum?

Wo hat Affe X gelebt? Nun ja, wahrscheinlich in Afrika. Die heutigen Schimpansen leben dort und alle Vormenschen-Funde stammen aus Afrika. Auch die ältesten Fossilien von Menschenaffen hat man in Afrika entdeckt. Vieles spricht für Afrika. Aber in Stein gemeißelt ist das nicht.
Im Jahr 2017 hat ein internationales Forscherteam eine Studie veröffentlicht, nach der der erste aufrecht gehende Hominide im europäischen Mittelmeerraum gelebt hat (Graecopithecus, 7,2 Millionen Jahre alt). Sollte sich das bestätigen - der Befund ist umstritten - müssten die Paläoanthropologen noch einmal umdenken.

Affe X war definitiv kein Schimpanse

Wie sah Affe X aus? Nun ja, bislang dachte man wie ein Schimpanse. Denn der Schimpanse ist dem Orang-Utan und dem Gorilla, die sich bereits vor 12 bzw. 9 Millionen Jahren von der Mensch-Schimpansen-Line abgespalten haben, anatomisch viel ähnlicher als der Mensch. Deshalb vermutete man, dass sich der Schimpanse in den letzten 6 bis 8 Millionen Jahren weniger stark verändert hat als der Mensch.
Klingt logisch, scheint aber falsch zu sein. Denn inzwischen hat man festgestellt, dass sich im Erbgut der Schimpansen in den letzten 5 Millionen Jahren deutlich mehr Mutationen angesammelt haben als beim Menschen. Im Klartext heißt das: Der Mensch ist dem letzten gemeinsamen Vorfahren genetisch ähnlicher als der Schimpanse. Offenbar ist nicht der Schimpanse das "lebende Fossil", sondern der Mensch.
Vielleicht haben aber auch Professor Tim White von der Universität Berkeley und sein Team recht. Nach der gründlichen Analyse des Ardipithecus ramidus, einem Hominiden, der vor 4,4 Millionen Jahren in Afrika lebte, schrieben sie: "Unser letzter gemeinsamer Vorfahre war weder menschlich noch ein Schimpanse, er war etwas ganz anderes."

Sex mit Außerirdischen?

Trotz aller Theorien und Spekulationen muss man sagen, dass wir bislang keinen blassen Schimmer haben, wann und wo der Mensch bzw. der erste aufrecht gehende Hominide entstanden ist und von welchem Wesen wir abstammen. Und es ist höchste Eisenbahn, dass wir das ändern. Wir brauchen ganz dringend ein Fossil von Affe X. Sonst bekommt Darwin's Evolutionstheorie Probleme.
Affe X ist der Schlüssel zur Evolution des Menschen. Und solange wir diesen Schlüssel nicht in Händen halten, können Grenzwissenschaftler wie Erich von Däniken behaupten, dass der Mensch entstanden ist, weil sich Außerirdische mit weiblichen Menschenaffen gepaart haben. Und die Paläoanthropologie ist zurzeit nicht in der Lage, solche Phantastereien überzeugend zu widerlegen. Affe X könnte das.
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Fotomontage: © J. Matternes (1), Public Domain (1)
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