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Welche Menschenart hat diese einfachen Werkzeuge hinterlassen?

Welche Menschenart hat diese einfachen Werkzeuge hinterlassen?
Eleanor Scerri mit einem großen Felsbrocken, aus dem Acheuleen-Faustkeile herausgeschlagen wurden. In Arabien wurde diese alte Technologie noch vor 190.000 Jahren angewendet.
Foto: © Paleodeserts
VERGESSENE REGION Was für eine erstaunliche Verjüngungskur. Faustkeile, die man auf der Arabischen Halbinsel gefunden hat und die man aufgrund ihrer schlichten Technologie bislang für sehr alt hielt, stammen aus der Zeit vor "nur" 190.000 Jahren. Zu diesem Ergebnis kommt ein deutsch-arabisches Forscherteam, das die Stratigraphie der Fundstätte Saffaqah neu datiert hat.
Wie Archäologen des Jenaer Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte und der Saudischen Kommission für Tourismus und Nationales Erbe berichten, sind die Werkzeugfunde deutlich jünger als gedacht. Und das, obwohl sie eindeutig der Acheuleen-Kultur zuzuordnen sind, die in Afrika bereits vor 1,5 Millionen verbreitet war. Auf der Arabischen Halbinsel scheinen die Uhren eine Weile stillgestanden zu haben.

Uralte Technologie sehr lange genutzt

Das von Dr. Eleanor Scerri geleitete Forscherteam kommt zu dem Ergebnis, dass auf der Arabischen Halbinsel Menschen gelebt haben müssen, die weder Neandertaler noch Homo sapiens waren und die sehr lange an der Technologie ihrer Vorfahren festhielten.
"Demnach endete das arabische Acheuleen erst kurz vor oder zeitgleich mit der Ankunft des Homo sapiens in der Region", schreiben die Forscher in ihrer Studie, die in der Fachzeitschrift Scientific Reports erscheinen wird.
Welche Menschenart die Acheuleen-Faustkeile hinterlassen hat, lässt sich aufgrund fehlender Fossilien nicht zweifelsfrei sagen. In Frage kommen der Homo erectus und der Homo heidelbergensis - oder eine bislang unbekannte Menschenart, von der wir noch nichts wissen.

Primitiv? Ja. Aber dumm? Nein.

Primitive Werkzeuge = primitve Menschenform? Das ist Studienleiterin Dr. Eleanor Scerri zu einfach gedacht. Sie sagt: "Diese Hominiden waren einfallsreich und intelligent. Sie besiedelten eine herausfordernde Landschaft, indem sie eine Technologie nutzten, die gemeinhin als Ausdruck von Mangel an Erfindergeist und Kreativität gilt. Wir sollten beeindruckt davon sein, wie flexibel, vielseitig und erfolgreich diese Technologie war."
Was will sie uns damit sagen? Wahrscheinlich, dass man ziemlich clever und anpassungsfähig gewesen sein muss, um mit so einer schlichten Werkzeug-Technologie in einer lebensfeindlichen Wüste zu überleben.

Treffen der Generationen

Das junge Alter der Artefakte wirft eine interessante Frage auf: Sind sich die arabischen Urmenschen und der moderne Mensch Homo sapiens noch begegnet? Schließlich hat man in Israel einen Homo sapiens-Kiefer gefunden, der zwischen 170.000 und 190.000 Jahre alt sein soll.
Eleonor Scerri: "Eine der größten Fragen, die wir haben, ist die, ob sich unsere evolutionären Vorfahren und Homo sapiens getroffen haben und ob dies irgendwo in Saudi-Arabien geschehen ist."
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EVOLUTION & MEINUNG

Je unwahrscheinlicher, aus statistischer Sicht, ein Vorgang ist, desto weniger können wir annehmen, dass er durch blinden Zufall geschah.
Richard Dawkins

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